Keupergestein 5

Das kleine O betrachtet die obersten drei, vier Reihen an Steinen auf dem Tisch, schaut Resi an und meint:

Die oberste Formation im Enzkreis, hast du gesagt, ist die Löwenstein-Formation, die auch Stubensandsteinschichten genannt wird. Bedeutet die Mehrzahl, dass es mehrere Sandsteinbänke gibt oder dass man außer dem Sandstein auch andere Gesteins-arten finden kann?

Gute Frage, Kleiner! Da haben wir zunächst einmal den weißen Sandstein, so wie die drei da. Der Stubensandstein ist meistens grobkörniger als der Schilfsandstein. Bei diesem Stubensandstein gibt es mehrere  kräftig ausgeprägte Bänke. Dazwischen lassen sich weitere dünne Lagen mit Sandstein finden, aber auch mit Tonstein, Dolomitstein und Gipsauslaugungsresten.

 

Wenn das so ist, passt Stubensandstein-schichten tatsächlich besser als Stuben-sandsteinschicht. Und da gibt es nur diesen einen weißen Sandstein, der so aussieht wie die drei da oben? Woher kommen die eigentlich?

Die drei wurden an einem Waldweg bei Sternenfels entdeckt und mitgenommen. So ein durch und durch weißes Stück Stu-bensandstein zu finden, das ist gar nicht so einfach! Oft hat der Sandstein gelbe Flecken, die durch Brauneisenerz verursacht werden. Oder es sind Tonsteinbutzen drin, kleine Einlagerungen eines grün-grauen Tonsteins. 

Hier das Stück Stubensandstein ist nicht ganz so weiß, hat rostig-gelbe Brauneisen-erzflecken und grünlich-graue Tonstein-Ein-lagerungen. Unterm Mikroskop glitzern auf ihm allüberall kleine Quarzkristalle.

 

Er sieht ziemlich grobkörnig aus!

Sind die Tonsteinfetzen, die Tonsteinbutzen im Stubensandstein hart oder weich?

Sie lassen sich mit dem Fingernagel ritzen. Probier´s ruhig mal aus!

 

Tatsächlich. Der Tonsteinbutzen lässt sich ritzen. Aber mit dem Fingernagel über den Sandstein... Das ist sehr unangenehm.

Dieser Stubensandstein hat gelb-rostige und schwarze Flecken, die von Metallverbindun-gen verursacht werden. Bei Rostfarbe denkt man natürlich an Eisen, was nicht falsch ist. Einen solch bunten Stubensandstein findest du im Weinberg von Mühlacker-Lienzingen häufiger als anderswo.

Und es gibt den Stubensandstein in Grün. Der hier hat Steinsalzkristallmarken, die früher als Steinsalzpseudomorphosen beschrieben wurden.

 

Das sind ja Wörter! Wie lang die sind! Und verstehen tu ich gar nichts. An Briefmarken denke ich da und an kurze Hosen...

Das glaube ich dir, Kleiner. In den Stuben-sandsteinschichten gibt es einen grünlichen Sandstein, der Steinsalzkristallmarken ent-hält. Diese Gebilde im Sandstein sind Schein-kristalle nach ehemals würfelförmigen Steinsalz-Kristallen, die sich einst im Sand-stein gebildet hatten. Das Steinsalz wurde dann später vom Wasser aufgelöst, aber die Würfelform blieb erhalten. Die Würfelflächen sind mehr oder weniger eingesunken. Die Würfelkanten erscheinen dadurch etwas gerundet und verbogen.

Wenn man da genau hinguckt, sieht man ja Würfel an Würfel, kleine und große, und alles schön durcheinander! Da muss es einmal ziemlich viel Steinsalz gegeben haben, das an endlos vielen Stellen anfing, Kristalle zu bilden.

 

Ja, das sieht wirklich so aus!

 

Dieser grüne Stubensandstein mit den Kristallmarken gehört, lass mich raten, in  die Löwenstein-Formation des Mittleren Keupers. Wie sind eigentlich die Sandkörner im Stubensandstein miteinander verklebt?

 

Mit Ton, mit Kalk, mit Quarz. Alles ist mög-lich. Der Stubensandstein kann ein toniges, ein karbonatisches oder ein kieseliges Bindemittel haben. Der grüne Sandstein mit den Steinsalzmarken ist ein hartes Gestein, was ein kieseliges Bindemittel vermuten lässt. Auf Salzsäure reagiert er jedenfalls nicht.

Häufig haben die Stubensandsteinlagen ein karbonatisches Bindemittel. Unter der Lupe, noch besser unter dem Mikroskop, lässt sich das kalkige Bindemittel indirekt sichtbar machen. Weil es auf Salzsäure reagiert, das Sandkorn aus Quarz aber nicht, steigen Gasblasen rings ums Sandkorn auf. Das Sandkorn selber bleibt gasblasenfrei.

 

Was für ein Gas ist das überhaupt?

 

Kohlendioxid, CO2, was allüberall eingespart werden sollte. Und hier wird es auch noch erzeugt. Aber nur gedanklich!

 

CO2 einsparen? Davon habe ich noch nie was gehört. Aber, sag mal, Resi, Stubensand-stein... Warum heißt er so?

Auch ein Stubensandstein verwittert. Ein toniges Bindemittel beispielsweise wird aufgelöst. Der Sandstein zerfällt zu Sand. Mit diesem Sand kann man etwas anfangen! Es gab einmal eine Zeit, da gab es noch keine Staubsauger, aber trotzdem Staub auf einem Holzfußboden in einem Haus, in einem Zimmer, "in der Stub". Sand wurde gekauft und auf dem Stubenboden verstreut. Er nahm beim Zusammenkehren den Staub vom Holzfußboden mit. Der Fußboden war danach wieder sauber, dank des Stubensandsteins.

Der Stubensandstein wird, wie du sagst, in den Stubensandsteinschichten von anderen Gesteinen begleitet. Sind das viele? Wechselt das häufig?

Ein ständiger Begleiter des Stubensandsteins ist der Tonstein. Auf dem Tisch liegt er ja in der Nähe des Stubensandsteins. Sehr häufig zeigt sich dieser Tonstein in den Farbtönen rotbraun und grüngrau. Aber es gibt auch graue und violette Tonsteine. Und dann gibt es noch den Dolomitstein und Gipsresiduen.

 

Sandstein, Tonstein, Dolomitstein und Residuen, nur vier, klingt irgendwie über-sichtlich wenig.

 

Wie man´s nimmt! Sie wechseln ständig in rasch aufeinander folgenden dünnen Lagen, häufig nur wenige Zentimeter mächtig. Da kann man schnell die Übersicht verlieren. Oft gibt es auch Mischformen, den stark tonigen Sandstein, den sandigen Tonstein oder den tonigen Dolomitstein. Nur wenige Male zwischen den zentimeterdünnen Lagen zeigt sich dickbankig der Stubensandstein, dann auch mal mehrere Meter mächtig. 

 

So was kann man doch auf einem Weg    oder an einer Böschung, selbst an einem Weinberghang kaum genau beobachten oder gar messen! 

 

Stell dir vor, in einem Weinberg wird am steilen Hang ein neuer Weg angelegt, oder ein Glasfaserkabel wird in einem tiefen Graben verlegt, oder eine Mineralwasser-firma macht eine Tiefenbohrung. Dann kann man an der Böschung, in der Baugrube, am Bohrkern Zentimenter für Zentimeter die einzelnen Lagen ausmessen und beschrei-ben. Im Bereich der Stubensandstein-schichten liest sich das dann oft so:

 

0,14 m Tonstein, rotbraun                             0,06 m Tonstein, grüngau                              3,20 m Sandstein, hell, grobkörnig            0,04 m Dolomitstein, hellgrau, plattig             0,33 m Tonstein, rotbraun                                0,25 m Gipsauslaugungsreste, knollig, gelb    0,10 m Tonstein, hellbraun                           0,14 m Sandstein, hellgrau...                          Und so geht es Lage für Lage weiter!

 

Sicher eine wichtige Kleinarbeit, aber etwas für die Fachleute! Was mich jetzt noch inter-essiert, ist der Dolomitstein. Den Stuben-sandstein kenne ich nun schon ein bisschen, von den Gipsresiduen hast du viel erzählt,

und der Tonstein ist farblich ja so auffällig!

Bei den Stubensandsteinschichten gibt es einen ständigen Wechsel von sandigen, to-nigen und karbonatischen (kalkhaltigen) Gesteinen. Die karbonatischen Gesteine sind keine reinen Kalkgesteine. Die Gesteins-grundmasse enthält nicht nur Calcium-carbonat. Fast immer ist Magnesium dabei. In der Grundmasse ist Calcium-Magnesium-Carbonat. Und Ton. Dann wird das Gestein mit Dolomitstein bezeichnet. Oder man liest von Gesteinsbänken, die aus Tonsteinen mit Dolomitsteinbänken bestehen. Da das Gestein am Ton und am Kalk Anteil hat, trifft man auch auf Begriffe wie Mergelstein und Steinmergel.

Das hier ist ein mittelgrauer Dolomitstein, der kugelschalig verwittert. Macht man ihn nass, wird er schmierig, weil er Ton enthält. Er wird auch unter dem Begriff Steinmergel beschrieben. Es ist ein Weinbergstein vom Schützinger Gausberg.

Wird auf den kugelschalig verwitternden Dolomitstein (1) Salzsäure geträufelt (2), dann reagiert er wegen des Tonanteils verzögert und nur schwach auf die Säure. Es bilden sich zwar viele Gasblasen, aber sie bleiben klein (3). Es gibt einen Kalkanteil, der aber nicht dominiert. Es ist eben ein überwiegend toniger Dolomitstein.

Dieser tonige Dolomitstein ist verblüffend ebenplattig. Sein Hellgrau ist zu großen Teilen fleckenfrei, auch erstaunlich. Kommt er mit Salzsäure in Berühung, dann zerfließt die Säure zu einem Fleck. Mit Verzögerung kommt dann die Reaktion: Es bilden sich dann doch kleine Gasblasen.

Die Säure frisst die im Gestein fein verteilten

Kalkteile  weg, wodurch sich auf der Fläche die Tonteile anreichern. Die Tonteile lassen sich zusammenschieben und anhäufen. Aber das Glatte der Steinoberfläche bleibt.

 

Das stimmt! Wenn man mit dem Finger drüberfährt, das fühlt sich schon sehr glatt an! Nicht die kleinste Unebenheit auf der Fläche. Und ziemlich stabil. Der Dolomitstein ist zwar dünn, aber mit den Fingern nicht allzu leicht zu zerbrechen. Ich schätze mal, es ist auch ein Weinbergstein vom Schützinger Gausberg!

 

So ist es, Kleiner. Die Dolomitbank, aus der er herauswittert, liegt ziemlich weit oben im Weinberg, nur wenige Meter unterhalb der Waldkappe.

Dieser Dolomitstein hat viele gerundete Gesteinstrümmer in seiner Grundmasse.

Er ist konglomeratisch. Er liegt am Wegrand zwischen Weinberg und Waldkappe oben auf dem Schützinger Gausberg.

 

Reagiert er auf Salzsäure?

 

Er reagiert schon bei einer schwachen Säure! Aber verhalten. Die Gasblasen bleiben klein. Da schäumt nichts heftig auf. Es bilden sich

Schaumteppiche um die runden Gebilde. Sie reagieren nicht auf die schwache Säure. Die schwarzen Punkte sind die Gasblasen.

Nimmt man eine stärkere Säure, dann reagiert die Grundmasse des Gesteins heftig aufschäumend mit großen Gasblasen (links). Die eingelagerten Gerölle reagieren nun auch. Die Gasblasen perlen hier klein, zahl-reich und verhalten hoch (rechts).

Der Dolomitstein ist in der Grundmasse kalkhaltig. Die Gerölle sind ganz schwach kalkhaltig. Der Dolomitstein wird auch Ton-teile enthalten, wie all die anderen Gesteine im Weinberg.

Aus derselben Dolomitbank am schmalen Weg zwischen Weinberg und Waldkappe stammt dieser Dolomitstein mit dem Mineral Baryt (Schwerspat). Der Bayrt ist weiß-rosa-farben und willkürlich in kleinen Mengen im Dolomitstein verteilt.

Hier hat der Baryt, der Schwerspat, im Hohl-raum eines fossilen Schneckenhauses aus-kristallisiert. In diesem Dolomitstein gibt es Fossilien.

Auch dieser Dolomitstein lag am Weg zwischen Weinbau und Waldkappe, ganz oben auf dem Gausberg von Schützingen. Er hat viele rostig-braune und weiß-gelbe Flecken, die da und dort winzige versteinerte Tierreste darstellen. Der Dolomitstein ist fossilführend. An den Fossilresten hat sich oft Brauneisenerz rostig-braun angelagert.

Im Vergleich zu den anderen Dolomitsteinen vom Gausberg reagiert er ziemlich heftig auf Salzsäure. Der Kalkanteil muss hoch sein, was natürlich auch die versteinerten Tier-reste verraten. Die Tiere fühlten sich in einem kalkhaltigen Wasser wohler als in einem kalkig-dolomitischen.

 

Warum das? Was für Tiere waren das?

 

Muscheln und Schnecken. Sie brauchten für ihre Schalen und Gehäuse Kalk aus dem Meerwasser und keinen Dolomit.

 

Ziemlich winzig, diese Muscheln und Schnecken. Für größere Schalen und Gehäuse war das Meerwasser wohl nicht    so geeignet?

 

Die Meeresbedeckung dauerte bei einer geringen Wassertiefe nicht lange.

Fossile Spuren auf dem Dolomit-stein.

Fossile Spuren auf dem Dolomit-stein

In diesem Dolomitstein stecken winzige fossile Schneckenhäuser. Ein paar sind herausgefallen.

Links sind zwei Schneckenhäuser zu sehen und rechts die leere Hohlform eines herausgebrochenen Schneckenhauses. Die Hohlform sieht wie eine dritte Schnecke aus.

Das kleine O meint: Ich stelle mir mal eines dieser winzigen fossilen Schneckengehäuse neben einer 1-Cent-Münze vor. Das fossile Schneckenhaus ist deutlich kleiner. Es ist wirklich winzig.

Dann muss Resi mal wieder herzhaft gähnen. Und siehe da, das kleine O gähnt mit. Es fühlt plötz-lich, wie müde es ist. Noch gähnend sagt es:    Du, Resi, das war jetzt toll, mit dir und den ganzen Keupergesteinen. Aber, ich glaube, ich muss jetzt zurück in meinen Satz. Ich bin sowas von müde.

 

Das glaub ich dir ungegähnt! Komm doch mal wieder vorbei, Kleiner. Hat Spaß gemacht mit dir!

 

Ja, war schön, Tschüss!

Durch die noch offene Tür ist das kleine O im Nu wieder im Nachbarzimmer, am Schreibtisch, auf dem das noch offene Buch liegt, in dem der Satz steht, in dem das kleine O fehlt:

Als es seinen Satz so mit dem Fehler sieht, hat es doch ein ganz kleines bisschen ein schlechtes Ge-wissen. Ob der eine oder andere seiner Mitbuch-staben meckern wird? Schnell schlüpft es zurück in seinen Satz:

Aber niemand meckert. Im Gegenteil! Der ganze Satz strahlt wie druckfrisch. Endlich wieder vollständig! Das Buch klappt begeistert auf und zu. Endlich wieder druckfehlerfrei! Und weil sich alle so freuen, schwankt der Schreibtisch freudig mit. Fast wäre er umgefallen!

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Keupergestein 1

Keupergestein 2

Keupergestein 3

Keupergestein 4

Keupergestein 6

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