Keupergestein 3

Auf dem Tisch im Zimmer nebenan hat das kleine O sie entdeckt, die vielen bunten Keupergesteine. Und es hat Resi, ein Gipsauslaugungsrückstands-gestein, ein Gipsresiduum, kennen gelernt:

Gerade schaut sich das kleine O die unteren drei Reihen der Keupergesteine genauer an:

Du, Resi, die drei Reihen da, sind das auch alles Tonsteine?

Resi lacht und meint: Nein, so langweilig geht es in der Keupersteinfamilie nicht zu! Nur ganz unten, die dunklen flachen Steine sind Tonsteine. Sind sie feucht, dann sind sie richtig schwarz. Dieser Tonstein verwittert schiefrig, blättrig, ebenplattig, in kleinen Stücken.

So ein dünnes Tonsteinstück ist sicher leicht mit den Fingern zu zerbrechen.

Das täuscht! Auch wenn sie dünn und platt sind, ist es nicht ganz so einfach. Es gibt allerdings auch rasierklingendünne Tonstein-plättchen. Sie zerbrechen leicht.

Der Tonstein ist deutlich härter, als man denkt! Die vielen geraden Kanten, die Ecken und Spitzen verraten etwas von der Härte.

 

So wie er daliegt, gehört er wohl nicht in deinen Gipskeuper, oder?

Bevor Resi antwortet, muss er kurz mal gähnen. Das kleine O schaut ihn an und wartet geduldig. Was sein muss, muss sein. Aber Resi unterdrückt den Gähnanfall und erklärt:

Da hast du Recht, Kleiner. Ich gehöre in den Mittleren Keuper, den Gipskeuper, in die Grabfeld-Formation. Der schwarze Tonstein und die beiden Reihen über ihm gehören in den Unteren Keuper, in den Lettenkeuper, in die Erfurt-Formation.

 

Und wo gibt es diesen schwarzen Tonstein?

In Mühlacker. Unmittelbar oberhalb der Burg Löffelstelz informiert eine Tafel über die "Epppinger Linien". Bei der Tafel ist der dunkle Tonstein zwischen den Baumwurzeln zu sehen.

 

Lettenkeuper und Gipskeuper, Erfurt-Formation und Grabfeld-Formation, gibt es da überhaupt noch enge verwandtschaftliche Beziehungen? Die Lettenkeupergesteine müssten auch ein bisschen älter sein als du.

 

So ist es, Kleiner. Natürlich sind sie ein paar Millionen Jahre älter. Aber wir sind alle mit-einander Gesteine der Trias, und wir sind alle miteinander Sedimentite.

Sedimentite?

 

Wir Keupergesteine sind Sedimentite, Sedi-mentgesteine, Gesteine, die aus einem lockeren Material entstanden sind. Dieses Material wurde durch einen Fluss ange-schwemmt und abgelagert, oder im Meerwasser ausgefällt, oder in einem See abgesetzt, oder ein See ist ausgetrocknet, oder der Wind hat Material in einer Staubwolke herbeigeweht. Das lockere Material hat sich dann mit der Zeit zu einem Sedimentit verfestigt.

Da rechts auf der Seite, das grünliche Ge-stein (2) ist ein Sandstein. Er ist sicher im Mündungsgebiet eines Flusses entstanden. So ein Fluss transportiert Geröll, Sand und Schlamm in Richtung Meer. Am Flussunter-lauf, zum Meer hin, wird das Gelände oft flacher. Was der Fluss mitschleppt, wird dann im Küstenbereich wieder abgesetzt, der Sand beispielsweise. Nach Jahrmillionen versiegt der Fluss. Der Sand bleibt. Ton kann die Sandkörner miteinander verbacken. Das lockere Material, hier der Sand, verfestigte sich zum Sedimentit Sandstein, zum Letten-keuper-Sandstein.

Eine fein verteilte Eisenverbindung gibt dem Sandstein einen grünlichen Ton. Dieser Sandstein ist ebenplattig, feinkörnig, fein geschichtet und orangefarbenfleckig von Hämatit-Einlagerungen, auch eine Eisen-verbindung. Die kleinen weißen Punkte, das ist Glimmer. Zu sehen ist dieser Letten-keuper-Sandstein am Auweg in Bauschlott. Die Sandsteinlage ist nur wenige Zentimeter mächtig.

Das kleine O schaut auf die Steine vor ihm: Schwarzer Tonstein (1), grüner Sandstein (2)... Gibt es noch mehr Sandsteine im Lettenkeuper, in der Erfurt-Formation?

 

Ja, dort auf der linken Seite siehst du einen   ockerfarbene Sandstein mit dunkelbraunen, fossilen Pflanzenspuren (3).

Das kleine O: Die dunkelbraunen Fossilspuren lassen einen an Pflanzenstängel denken...

Der Stein sieht wirklich wie ein Sandstein aus. Die Sandkörner sind deutlich zu sehen, auch die hellen Glimmerpünktchen. Der Sandstein scheint nicht hart zu sein, so wie er absandet. Sind die Sandkörner auch durch Ton verklebt? Zu welchen Pflanzen passen die fossilen Pflanzenspuren? Wo findet man dieses Keupergestein?

Die Sandkörner sind in der Tat mit Ton ver-klebt. Er ist tonig gebunden, und deshalb ist er weich. Ein leichter Hammerschlag, schon bricht er auseinander. Im Enzkreis gibt es diesen Sandstein nordwestlich von Mühl-acker-Enzberg auf dem "Hitzberg" oder öst-lich von Eisingen bei "Heidenkeller", südlich von Göbrichen im Waldstück "Neulinger Berg" oder beim Wanderparkplatz an der Enzkreisgrenze an der L 1125 von Großglatt-bach nach Aurich. Bei den fossilen Pflanzen-resten sind gar nicht so selten Schachtel-halme dabei.

Sind die dunklen Flecken auch fossile Spuren von Pflanzen?

 

Hier hat sich eine Metallverbindung auf dem Sandstein breit gemacht (4). Wird der Stein mit dem Hammer frisch aufgeschlagen, sind die Metallflecken tintenblau. Sieht dann hübsch aus. Für eine Weile. Das feuchte Steininnere trocknet schnell. Und aus dem

Blau wird ein Schwarz. Die Fundstücke kommen von einem Weg, der am östlichen Rand des Ölbronner Muschelkalksteinbruchs (am Talweg) hochführt.

Pass auf, kleines O, wenn du genau guckst, dann siehst du, dass die Farbtöne bei den fossilen Pflanzenspuren von Dunkelbraun bis ins Kohlig-Schwarze gehen. Im Lettenkeuper gibt es tatsächlich Kohlebildung.

Dieser graue Sandstein (5) ist wie der grüne Sandstein (2) feingeschichtet, was ganz rechts gut zu sehen ist, und er ist feinkör-nig, das heißt, die Sandkörner sind klein. Er hat helle Glimmerpünktchen und als Beson-derheit die kohligen fossilen Pflanzenspuren. Die Pflanzen lassen sich nur schwer bestim-men. Weil das so ist, wird er als Sandstein mit Pflanzenhäcksel beschrieben. Der graue und der grüne Sandstein liegen beieinander, zum Beispiel am Auweg bei Bauschlott.

Nicht selten ist der graue Sandstein mit einer dünnen Schicht Kohle bedeckt. Es ist eine tonige, sandige Braunkohle (6). Sie ähnelt einer verwitterten Pechkohle, die es in Peiting oder Peißenberg im südlichen Bayern gibt. Die Kohle auf dem  Lettenkohlensand-stein lässt sich abkratzen, trocknen und  dann in einer Kerzenflamme verbrennen. Dazu werden winzige Lettenkohlebrösel in die Flamme geworfen, die dann aufblitzend verglühen.

Die dünnen Kohleeinlagerungen ergeben natürlich kein abbauwürdiges Kohleflöz! Aber es ist doch interessant, dass es bei   den Keupergesteinen auch Kohlebildung gibt. Hier ist aus dem lockeren Material Gras Torf geworden, aus dem Torf ein verfestigtes kohliges Sedimentgestein.

Die sandig-tonige, schwarze Kohle liegt unter dem grauen Sandstein mit dem Pflanzenhäcksel.

Das kleine O entdeckt links neben der Lettenkohle (6) noch weitere dunkle Steine (7). Es deutet auf einen und meint:

Der Stein sieht ziemlich schwarz aus. Ist das auch ein kohlehaltiges Gestein? Und ist das mehr ein Tonstein oder mehr ein Sandstein?

 

Resi schaut kurz hin und überrascht das kleine O mit: Das ist kein Tonstein, und es ist kein Sandstein. Das ist ein Kalkstein im Letten-keuper, in der Erfurt-Formation. Er entstand während einer kurzen Meeresbedeckung in der Triaszeit. Der Kalkstein ist Teil der Anthrakonitbank: anthrax - griechisch für Kohle. Das Schwarzfärbende in dieser Gesteinsbank ist allerdings nicht Kohle, sondern Bitumen. Geht man mit der Feile über den Kalkstein, kann man ihn plötzlich riechen. Ein leichter Geruch nach Stink-bombe steigt auf. Bitumen enthält unter anderem auch schwefelhaltige Kohlenwas-serstoff-Verbindungen. Beim Feilen werden sie molekül-klein mitgerissen und hoch-gewirbelt... bis in die nächste Nase.

Der Kalkstein der Anthrakonitbank ist recht hart, was man beim Feilen merkt. Er ist völlig glanzlos und bituminös-schwarz. Manche dieser Kalksteine enthalten Schill, fossile Muschelschalentrümmer. Es ist ein Kalkstein und auch ein Schillkalk. Die Bilder zeigen Ackersteine von Göbrichen.

Das kleine O hat nun schon eine ganze Reihe an Gesteinen aus dem Unteren Keuper, aus dem Lettenkeuper, aus der Erfurt-Formation kennen gelernt. Zu Resi gewandt, sagt es:              Dieser Lettenkeuper! Eine ziemlich abwechs-lungsreiche und bunte Mischung an Gestei-nen. Zu den gelb-orange gefärbten Steinen (8 und 9) und zu der grünen Masse auf dem Deckel (10), da hast du noch nichts gesagt!

 

Das gelblich verwitternde Gestein ist Dolo-mitgestein. Es ist ein Kalkstein, der Magne-sium enthält. Die Grundmasse eines Kalk-

steins besteht aus Calciumcarbonat. Der Dolomitstein enthält Calcium-Magnesium-Carbonat. Bei der intensiven Gelbfärbung spielen auch Eisenverbindungen eine Rolle. Metallverbindungen bringen schwarze Punkte und Flecken. Am Ackerrand und auf den Äckern kann der Dolomitstein deutlich gerundet aussehen (8).

Der Dolomitstein kann aber auch rau, grob und löchrig sein. Hin und wieder gehen Calcitadern durch (8). Die Dolomitsteine im Unteren Keuper im Enzkreis reagieren meist heftig aufbrausend bei kalter Salzsäure, so dass wohl mehr ein dolomitischer Kalkstein vorliegt.

 

Und wo lassen sich ein paar der rauen und runden dolomitischen Kalksteine des Unte-ren Keupers einsammeln?

 

In Göbrichen gibt es sie auf den Äckern beim Friedhof. Man findet sie westlich von Ölbronn an der Talstraße oder östlich von Eisingen bei den Parkplätzen am "Heidenkeller" und "Birkenwäldchen". 

Und da, ganz links am oberen Rand liegt dann noch ein verkieselter dolomitischer Kalkstein (9) aus dem Lettenkeuper oder der Erfurt-Formation. Er wirkt etwas dunkel und sieht speckig aus. Die Pfeile zeigen auf grauglänzende Quarz-Flecken. Der Dolomit-Kalk-Stein ist teilweise verkieselt. Wird Salzsäure aufgeträufelt, gibt es im Bereich der Quarzflecken keine Gasblasen. Man findet ihn südlich von Mühlacker-Sengach oder Pforzheim-Eutingen am Rande der Enztalhangwege.

 

Und jetzt ein Wort zu der grünen Masse auf dem Deckel (10). In Klein-Villars, bei der Lerchenmühle, bieten Gräben da und dort einen Blick auf den Unteren Keuper, in dem es auch eine geringmächtig ausgebildete Lage mit einem grünlichen Ton gibt. Der Ton lässt sich wunderbar formen. Hier ist aus der grünen Ton-Masse auf dem Deckel ein Würfel geworden. Ausgetrocknet ist der Ton hart

und stabil, glatt und ohne Risse. Stellt man ihn auf dann wieder auf den Deckel und gibt Wasser dazu, zerfällt er ziemlich rasch und ganz von allein wieder zu einem grünlichen Brei (10)! Aus dem Brei lässt sich dann wieder ein Würfel formen...

 

Das kleine O staunt nur: Resi, das ist ja kaum zu glauben! Was seid ihr Keupergesteine doch für eine verrückte Truppe!

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Mehr zum Keupergestein unter

Keupergestein 1

Keupergestein 2

Keupergestein 4

Keupergestein 5

Keupergestein 6

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