Wartturm Pforzheim - ein Ort mit Aussicht und Nahsicht

Der Pforzheimer Wartturm war im Spätmittelalter ein Teil der Pforzheimer Stadtbefestigung. Von diesem Turm aus konnte man die Umgebung beobachten und Signale geben. Der Turm wurde wahrscheinlich zwischen 1400 und 1500 gebaut. Genauere Angaben fehlen. Das Foto zeigt den Wartturm in einer herbstlich-sommerlichen Collage. Er ist auch im Winter und im Frühling einen Besuch wert.

 

Die Tür liegt auffallend hoch. Für diese Tür brauchten die Beobachter und Signalgeber eine Leiter. Die Treppe wurde über 300 Jahre später angebaut, als der Turm 1869 restauriert wurde. Nochmals 100 Jahre später erhielt er ein Dach. Er ist von einer ringförmigen Mauer umgeben, die unterschiedlich ruinöse Abschnitte hat. Der Wartturm ist 11 m hoch.

 

Für das Besteigen des Turms gibt das blaue Schild in der Tür Hinweise auf einen Turmpaten und einen Schlüsseldienst.

(Ein Klick auf die Bilder vergrößert sie!)

Ein Ort zum Schutz - das war mal. Ein Ort mit Aussicht - das ist noch. Die Gegend um den Wartturm erlaubt südliche Blicke ins Enztal und auf die gegenüberliegende Enztalseite und gestattet nördliche Blicke übers wellige Gelände des beginnenden Kraichgaus.

Die grobe Kartenskizze ist für die geologisch interessierten Wandererer gedacht. Die Skizze zeigt den Standort des Warttums auf dem Wartberg im Nordosten von Pforzheim und die Parkmöglichkeit (blaues P, Wartbergallee) am Wartberg-Freibad.

Und jetzt könnten wir uns einmal die Treppe anschauen, die zur Turmtür hochführt. Sie besteht aus einem rötlichen Buntsandstein, während der Turm und die Ringmauer aus einem hellgrau wirkenden  Muschelkalk gebaut sind. Warum wurde für die Treppe kein Muschelkalk genommen? Ein Stilbruch?

 

Der Muschelkalk ist für eine Treppenstufe zu weich, lässt nur mit Arbeitsaufwand eine glatte, dann aber auch rutschige Trittfläche zu und neigt bei kleinen Rissen zu schneller Frostverwitterung. Der härtere Buntsandstein dagegen ist ein Plattensandstein, der sich von Natur aus gut plattig-eben spalten und bearbeiten lässt. Die leichte Spaltbarkeit hat ihre Ursache in kleinen flachen Glimmerplättchen, die lagenweise in den Sandstein eingebettet sind. Im Bild rechts sind sie deutlich als helle Punkte zu erkennen.

 

Auf den Schichten, auf denen vermehrt Glimmerplättchen liegen, können die Kräfte der Verwitterung leichter angreifen. Denn hier ist die Sandsteinmasse nicht so fest gefügt. So kann eine ständig wiederkehrende Trittbelastung das Gefüge im Stein lockern. Das Pfeilende zeigt es deutlich: Wer die Treppe hochgeht, beginnt links, macht den ersten Schritt mit dem linken Fuß. Anders geht es nicht. Die erste Treppenstufe  wird immer an der gleichen Stelle belastet, und deshalb ist sie hier kaputt.

 

Dann und wann bricht unter den Tritten ein kleines flaches Schichtstück heraus. Die Verwitterung frisst sich "treppenförmig" in die Treppe hinein. Die Nahaufnahme rechts beweist das.

Turm und Rundmauer sind aus Muschelkalk, der auch den Untergrund des Wartbergs bildet. Der Muschelkalk zeigt sich im Mauerstein als  "Blaukalk" oder als "Schillkalk".

Muschelkalk als Blaukalk: glatte Oberfläche, ein paar Schrumpfungsrisse, fossilleer, hellgrau-ausgebleicht.

Muschelkalk als Schillkalk: auch hellgrau-ausgebleicht, raue, unruhige, löchrige  Oberfläche, fossilreich, ein Stein mit vielen Muschelschalen-trümmern. Die Muschelschalentrümmer nennt man Schill.

Noch einmal die beiden Mauersteine im Vergleich: links der glatte "Blaukalk", rechts der unruhige "Schillkalk". 

Weiße Muschelschalenreste an den roten Pfeilen, ein Muschelabdruck am blauen Pfeil auf diesem Mauerstein.

Links sind die Muschelschalen verwittert und hinterlassen bogenförmige Hohlräume. Rechts wurden die Muschelschalen durch Kieselsäure verquarzt. Sie bieten der Verwitterung mehr Widerstand als der Mauerstein und wurden so reliefartig herausmodelliert.

Die derbe, kristalllose Grundmasse des Muschelkalks besteht aus dem Mineral Calcit. Auf manchen Mauersteinen ist allerdings der Calcit auch kristallisiert zu sehen.

Das gehört auch zum Kalkstein und damit zu den Mauersteinen: Kalksinter, links, und Drusen, Löcher im Stein mit Calcit-Kristallen, rechts.

Dieser Mauerstein enthält einige Stielglieder der ausgestorbenen Seelilie "Encrinus liliiformis". Die Stielglieder nennt man auch Trochiten. Der Muschelkalk wird zum Trochitenkalk. Die Seelilie ist ein Tier!

Damit die Stielglieder nicht gegeneinander verrutschen, greifen sie mit Noppen, kleinen Wülsten ineinander. Der Stiel des Tieres wird so stabilisiert. Bei den Bausteinen rechts ist das Prinzip das gleiche.

Links ein einzelnes Stielglied. Aufgeschnitten zeigt es einen materialsparenden Aufbau. In der Mitte geht der Zentralkanal für die Gefäße durch. Mitte: Die Anordnung der Noppen und das Zentralkanalloch erinnern an eine Uhr ohne Zeiger - das Stielglied wird zum "Steinührle". Rechts die Krone mit Fangarmen und Fiederchen einer Seelilie des Muschelkalkmeeres.

Rechts eine Seelilie des Muschelkalkmeeres, etwas über einen Meter groß. Das Tier saß mit einer Wurzel fest am Boden. Die Fangarme bewegten sich im Wasserstrom auf der Suche nach Plankton. Nach dem Tod zerfiel die Seelilie in den allermeisten Fällen in zahlreiche einzelne Glieder. In welchem Mauerstein auf der Ostseite der Ringmauer die abgebildeten Stielglieder zu finden sind, zeigt das linke Foto.

Auch auf den Mörtel kann man geologisch blicken. In der dunklen Grundmasse stecken häufig eierrunde Milchquarze. Die weißen Quarze sind deutlich härter als die Mörtel-Grundmasse, die wegen ihrer Weichheit schneller verwittert. Die milchig weißen Quarze werden herausmodelliert.

In der Nähe des Wartturms beginnt eine Treppe. Sie führt zu einem weiter unten gelegenen Hangweg. 

Ganz links oben ist das Geländer der Treppe zu sehen. Den weiter unten gelegenen Hangweg schützt eine niedrige Muschelkalkmauer. In die Oberfläche einzelner Steine sind Fossilien eingebettet.

Der suchende Blick entdeckt vielleicht eine Muschel (links), die Spur eines Ceratiten (Mitte) oder eine Terebratel (rechts). Der suchende Blick erkennt sicher zwischen den Bäumen am Wartberghang das Pforzheimer Stadtgebiet "Haidach" auf der anderen Seite des Enztals.

Der untere Hangweg mündet in die Wartberg-Allee. Über die Wartberg-Allee und den Wartturm geht es zurück zum Auto-Parkplatz.