Eine Kirche in Pforzheim - die römisch-katholische St. Franziskuskirche

Hier werden Sie eingeladen, eine Kirche in Pforz-heim zu besuchen und im Folgenden mit ganz persönlichen Impressionen zu Stil und Fossil kennen zu lernen. Diese Kirche lässt sich subjektiv assoziativ mit vielem verbinden:

Der Namenspatron der Kirche ist der heilige Franziskus, Franz von Assisi, der 1226 im Alter von 45 Jahren starb. Sein Leben und Wirken ist auch heute noch für eine Kirchengemeinde (und darüber hinaus...) vorbildhaft.

Die St. Franziskuskirche erinnert an den antiken römischen Gebäudetyp der Basilika. Ein langge-streckter, erhöhter Mittelbau überragt mit einem Giebeldreieck und einer Rosette ein linkes und ein rechtes Seitenschiff von geringerer Höhe. In der Bildcollage fehlt der immerwährende Saum par-kender Autos, den es 1891 noch nicht gab, als die Kirche eingeweiht wurde. Rechts ist der weiße, leicht bläuliche Fleck zu sehen, mit dem weiter oben die Assoziationen unterlegt sind. Ein solcher Fleck ist auf vielen der verlegten Bodenplatten im Kircheninneren zu sehen. Der Fleck ist etwas Typisches, etwas Charakteristisches dieser Boden-platten. Mit einem Augenzwinkern wird er dadurch zu einem winzigen Stilelement dieser Kirche.

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Nehmen wir doch einmal eine Bodenplatte in den Blick und gehen mit der Kamera dicht heran:

Die Bodenplatte ist ein Naturstein und ganz natürlich fleckig. Sie ist aus einem Jurakalkstein, einer Meeresablagerung, herausgesägt, bearbeitet und geschliffen worden. Einen solchen Kalkstein liefert die Schwäbisch-Fränkische Alb. Die Grund-masse des Steins ist chemisch ein Calciumcar-bonat, mineralogisch ein kristallloser Calcit.

 

Als der Jurakalkstein enstand, gab es auch Hohl-räume, Löcher im Gestein, in die der Calcit  aus-kristallisieren konnte. Eine Calcitdruse bildete sich, eben ein Loch, das mehr oder weniger mit Calcit-Kristallen ausgefüllt ist. Beim Zersägen und Schleifen der Platte wurde die weiße, leicht bläu-liche Calcitdruse zu einem glatten hellen Fleck auf der Platte.

 

Gelblich braune Flecken verraten Eiseneinlagerun-gen (Brauneisenerz, Limonit). Die Eisenverbin-dung ist auch in der Platte selber gleichmäßig fein verteilt und verfärbt den Weißen Jura ins Gelb-lichgraue. Manche Bodenplatten sind eher bläulich grau. Eingelagerte Blaualgenreste sind hier farb-gebend. Die schwarzen Flecken und Linien sind verschmutztes Brauneisenerz, einst rostig-braun, jetzt schwarz.

Und dann gibt es da noch viele winzig-kleine, weiße Flecken. Das sind versteinerte Stützskelette von Einzellern, die vor rund 150 Mio. Jahren im Jurameer lebten. Die Stützbauten haben ganz unregelmäßige Formen. Aber alle sind weiß! Die Einzeller holten sich ihr Baumaterial aus dem Meerwasser, eben den weißen Calcit, aber nicht das rostig-braune Eisenerz. Die Namen für dieses Mikrofossil sind Tubiphytes morronensis oder auch Crescentiella.

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Nach vier Jahren Bauzeit hatte die Kirche 1891

endgültig ihr abwechslungreiches, klar gemustertes Fassadengewand aus einem roten, warm wirkenden Buntsandstein übergeworfen. 

 

Klar gemustert in den langen Geraden, den rechten Winkeln, den runden Bögen...

Abwechslungsreich im Spiel von Licht und Schatten durch die vielen Vorsprünge, Ecken, Kanten und Gesimse, die die glatte Fassade unterbrechen, gliedern und schmücken...

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Die Idee, eine Kirche zu bauen, die Suche nach einem Architekten, die ersten Pläne - da dürfen wir sicher eine Dekade zurückgehen. Wovon ließen sich Architekten um 1880 leiten?  Welcher Zeitgeist hat sie in ihrem Denken und in ihren Plänen beeinflusst?

Nicht wenige Architekten begeisterten sich um 1880 für die Stilelemente der Renaissance, eine Kunstepoche im ausgehenden Mittelalter, die die Ideen der griechisch-römische Antike wiederbelebt hatte. Große architektonische Bedeutung kam den Villen, Palästen und Kirchen zu, die der italieni-sche Renaissance-Architekt Andrea Palladio plante und baute. Palladio (1508-1580) war und ist einer der großen europäischen Baumeister. Er lebte, wirkte und baute in der oberitalienischen Stadt Vicenza, später dann auch in Venedig. Vicenza ist eine der Partnerstädte Pforzheims.

 

Im Eingangsbereich der St. Franziskuskirche steht der Name des Architekten - Adolf Williard.

Wer im Internet durch Vicenza surft und die berühmten Bauwerke der Stadt bewundert, wird bei einem Blick auf die Fassade der St. Franzis-kuskirche unschwer typischen Stilelemente der Renaissance wiedererkennen. Elemente der Romanik kommen dazu. Die Fassade ist nicht glatt. Sie ist unter dem Motiv der Wiederholung durch eine eindeutige, horizontale und vertikale Linienführung klar gegliedert. Die lange Gerade, Kreis und Halbkreis, Rechteck und Quadrat bestimmen das Bild.

Oben das Gesims, darunter der kammartige Fries, rechts und links die vorspringenden leichten Mauerverdickungen, die Lisenen, das zurückge-setzte Fenster, die Buntheit des Buntsandsteins und dazu der helle Mörtel... Sie alle hauchen je nach Sonnenstand und Schattenspiel der Fassade Leben ein!

Im Wechselspiel von Licht und Schatten die Stilelemente der Renaissance: der Rundbogen, die Pfeiler mit ihren Kapitellen, die Andeutung einer Arkade, die obersten Stufen der Freitreppe...

Der Dreiecksgiebel als Stilelement der Renaissance im Spiel von Licht und Schatten, dazu der Fassadenschmuck mit vor- und

zurückgesetzter Wand, mit Säule und Fries, mit Fensterrundung und sonnenaufstrahlender Schrift.

Ein ganz wesentliches Stilelement ist natürlich der hoch aufragende Turm. Er ist stark gegliedert, hat einen steinernen Helm und zeigt im oberen Teil diese aufwändig bearbeitenden und gestalteten Arkaden mit Rundbögen, kapitellbesetzten Säulen und steinernem Geländer. Mit seiner außerge-wöhnlichen Höhe von über 60 m prägt der Turm mit das Weichbild der Innenstadt Pforzheims.

Das lange Mittelschiff und der hohe Turm der St. Franziskuskirche sind nicht zu übersehen! Nach diesem Blick aus der Ferne geht es im folgenden Bild ganz nah heran an die Fassade:

Die Fassade der Kirche ist mit Buntsandstein-Platten belegt, die leicht rötlich, gelblich, violett oder rosafarben sein können, eben bunt! Dieser Naturstein gehört gesteinskundlich in den Plattensandstein des Oberen Buntsandsteins. Im Pforzheimer Wildpark beispielsweise liegen die flachen Steine des Plattensandsteins allüberall:

Der feinkörnige Plattensandstein enthält viel Glimmer (und zum Größenvergleich eine Münze). Der Glimmer (die hellen Pünktchen) bewirkt, dass dieser Sandstein ebenplattig verwittert, sich aber auch als flache Platte spalten lässt.

Enthält der Plattensandstein zu viele Glimmer-Einlagerungen, verwittert er pappendeckelartig dünn. Man kann ihn leicht mit den Fingern zerbrechen. Für eine Kirchenfassade ist er dann nicht geeignet.- Diese Pappendeckelsteine stammen aus der Gesellstraße, Pforzheim.

Glücklicherweise gibt es aber auch eine Schicht im Plattensandstein, die zentimenterdicke stabile Platten liefert, für eine Mauer, für Gartenwege oder eben auch Kirchenfassaden. Besonders stabile, gleichmäßige Platten mit einem warmen Rotton kommen aus den Steinbrüchen im Pfinz-gau. Es wäre nicht abwegig, in der Kirchenfassade einen Pfinztäler Plattensandstein zu sehen. Er entstand aus sandigen Flussablagerungen und ist fast 100 Mio. Jahre älter als der Jurakalk der Bodenplatten im Kircheninneren. 

Das ist auch ein Plattensandstein. Er taugt mit seinen Calcitdrusen nicht als Fassadenstein. Fundort: Römerstraße in Pforzheim, in der Nähe der oberen Schranke.

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Der Calcit ist ein weiches Mineral, das sich mit einem Messer leicht zerkratzen lässt. Die hellen Striche auf den Bodenplatten sind Stiefeleisen- spuren oder Putzspuren oder Transportspuren.

Auskristallisierter Calcit in fossilen Löchern in den Bodenplatten. Ganz rechts wurde ein calcitge-füllter Kieselschwamm beim Zersägen der Platte aufgeschnitten.

Die weißblaue Calcitdruse in der Mitte der drei Bilder lässt sich mit fossilen Terebrateln aus dem Weißen Jura vergleichen.

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Eine der Assoziationen des Anfangs ist der Begriff Welttierschutztag. Dieser Tag hat mit dem 4. Oktober seinen festen Termin im Kalender. Tag und Monat haben unmittelbar mit dem heiligen Franziskus zu tun. Franz von Assisi starb nach Sonnenuntergang am 3. Oktober. Im Jahr 1226 war es in Assisi üblich, den Todestag mit dem folgenden Sonnenaufgang zu verbinden. Daher hat der heilige Franziskus seinen Gedenktag     am 4. Oktober. 

 

Franz von Assisi war sehr naturverbunden. Er sah im Verhältnis von Mensch und Tier ein geschwis-terliches Miteinander. Mensch und Tier sind Geschöpfe Gottes und in ihrem jeweiligen Sein vor Gott gleich. Diese Überzeugung speiste Franz von Assisis Achtung und Liebe zum Mitgeschöpf Tier. Es lag nahe, ihn nach seiner Heiligsprechung zum Schutzpatron der Tiere zu erwählen.

Mit welchen Tieren könnte man nun die St. Franziskuskirche und ihren Namenspatron verbinden? Läge es nicht nahe, die Tiere zu nehmen, denen die Kirchenbesuchenden in der Kirche begegnen?

Heute ein Fossil in einer der Bodenplatten der Kirche, vor 149 Mio. Jahren das Gehäuse eines  lebenden Tieres im Jurameer. Es ist das aufge-sägte Gehäuse eines Ammoniten. Hier weitere Beispiele, durch Nahaufnahme und Beleuchtung bewusst deutlich in Szene gesetzt:

Das aufgesägte Gehäuse eines Ammoniten in einer blaugrauen Bodenplatte, von Blaualgen eingefärbt. Rostig gelbe Flecken vom Braun-eisenerz, weißblaue Flecken mit Calcit, dazu die winzigen weißen Stützskelette der Crescentiella.

Dieser Ammonit steckt in einer gelblichen, eher blaualgenfreien Bodenplatte. Der Gehäuserand ist nicht glatt, er ist gezackt. Der Gehäuserand hat eine Furche, weil die Rippen nicht durchlaufen. Der Name des Ammoniten hat griechisch-lateini-sche Wurzeln - aulax (Furche) +co (zusammen mit) + stephanos (der mit dem Kranz, Sieges-kranz = Aulacostephanus. Die Gesteinsschichten, in denen er vorkommt, sind die Aulacostephanen-schichten, Malm Delta, Weißer Jura Delta, heute die Untere-Felsenkalke-Formation.

Hinter den aufgeführten Begriffen und Namen wird ein Ammonit deutlich.

Der Ammonit ist ein Kopffüßer. Ein Kopf mit Fangarmen ragt aus dem Gehäuse heraus. Die meisten Gehäuse sind berippt. Das genaue Aus-sehen von Fangarmen oder Kopf ist offen, weil es kaum fossile Spuren von den Weichteilen gibt.

Das Gehäuse war das äußere schützende und stützende Skelett dieses ausgestorbenen Tieres. Es bewohnte - in Rot - nur einen Teil des Gehäu-ses, die Wohnkammer. Nach innen schloss sich der gekammerte Teil des Gehäuses an: Das Fremdwort dafür ist der Phragmokon. Alle Kam-mern waren durch einen Gewebeschlauch mit der Wohnkammer verbunden, dem Sipho. Über den Gewebeschlauch konnte das Tier die Kammern mit Gas oder mit einer Flüssigkeit füllen oder durch Absaugen des Inhalts wieder leeren. Dieses Auftriebsorgan erlaubte es dem Tier, im Wasser zu schweben oder sich wie im Lift auf- und abwärts zu bewegen, allerdings sicherlich nur langsam.

Beim Zersägen der Bodenplatte wurde dieser Ammonit halbiert, so dass man in sein Inneres schauen kann. Das Ammoniten-Tier hat nicht das ganze Gehäuse bewohnt, nur die Wohnkammer (W). Ein großer Teil des Gehäuseinneren war der Auftriebsteil mit den Gas-Flüssigkeitskammern (G). Die Kammern waren durch Kammerschei-dewände (K) getrennt. Der Außenrand des Am-moniten ist gezackt und hat eine Furche (F). Der Zackenkranz ist zu sehen, die Furche nicht. In mehreren Kammern des Auftriebsorgans hat Calcit (C) im hellen Blaugrau auskristallisert.

Dieses Ammonitengehäuse mit weißem Kranz liegt parallel zur Plattenoberfläche, wie viele andere Ammoniten auch. Liegt das Gehäuse allerdings in einem rechten Winkel zur Plattenoberfläche, dann sieht der Schnitt durchs Gehäuse so aus:

Dieser Gehäusequerschnitt ist in/auf den Boden-platten extrem selten zu sehen.

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Zur Abwechslung wieder einmal zurück zum Äußeren der Kirche mit weiteren Bauelementen, die in der Renaissance zu finden sind:

Die Kirche hat eine Freitreppe, die beim dortigen Straßengefälle leicht zu verwirklichen war. Das Material für die Stufen ist Granit.

Im Bereich der Freitreppe war im Frühjahr 2020 die Trias zu sehen, die Dreiheit von rotem Buntsandstein, hellem Granit und vorwitzigem Löwenzahn. Die Buntsandsteinplatten sind scharriert, mit einem Parallelmuster bearbeitet und aufgewertet.

Drei weiße Statuen stehen in Nischen in der  Außenfassade mit den Inschriften S. CONRADUS (links), S. FRANCICUS (Mitte) und B. BERNARDUS

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In den Bodenplatten der Kirche ist ein dunkles, längliches, spitz zulaufendes, geschossähnliches Gebilde nicht zu übersehen: das Rostrum des Belemniten, die Rostren von Belemniten:

Das Rostrum ist der versteinerte, der fossile Rest eines im Belemniten-Tier liegenden Skeletts.

Der Belemnit, das Belemniten-Tier, ist wie der Ammonit ein Kopffüßer. Der Belemnit hat kein schützendes und stützendes Gehäuse. Sein Schutz und seine Stütze ist ein stabiles Skelett in ihm drin. Im Bild ist deshalb davon nichts zu sehen. Es zeigt eine Vorstellung des Tieres mit Körper, Kopf und Fangarmen. Ganz genau weiß man nicht, wie es aussah. Die weichen Teile lösten sich nach dem Tod auf. Das Innenskelett blieb übrig und versteinerte hin und wieder, nicht immer. - Die Belemniten sind mit den heutigen Tintenfischen verwandt.

Das Innenskelett des Belemniten ist in drei Teile untergliedert. Der kopfwärts gelegene Teil diente dem Schutz und der Stabilisierung der Wohnkam-mer. Dieser Teil ist in den Bodenplatten nicht zu sehen. Der hintere Teil des Skeletts ist das Rostrum. Dieser schwere, massive Teil diente wohl als ausgleichendes Gewicht zum mittleren Teil, dem gekammerten Auftriebsorgan/ Auftriebs-körper = dem Phragmokon.

Der Phragmokon beginnt kegelförmig im Rostrum. Die (Gas-)Kammern werden immer größer. Der Teil der Kammern im Rostrum wird Alveole genannt, eine gekammerte und kegelförmige Einmuldung im Rostrum. Im Bild ist die zweidimensional abgebildete=dreiecksförmige Alveole mehr oder weniger mit hellblaugrauem Calcit ausgefüllt. Nach rechts sind dann ein paar Kammern des Phragmokons undeutlich zu sehen.

Die Alveole ist beim echten Belemnitenfund im Steinbruch dreidimensional als Kegel erkennbar. Dafür muss aber der Belemnit mit ein paar leichten Hammerschlägen aufgebrochen werden.

Dieses beeindruckend große Belemnitenstück liegt vor einem Spiegel, so dass es von vorn und von hinten gleichzeitig betrachtet werden kann. Im Spiegel sieht man gerade noch den Beginn der Alveole als hellen Punkt. Der kristalline Kalk des Rostrums geht radialstrahlig von diesem Punkt weg. Im Vordergrund hat die Alveole an Größe or-dentlich gewonnen, bei kurzer Distanz. Die Calcit-kristalle des Rostrums umschließen die Alveole ringartig.

Belemniten im Querschnitt, links ohne, rechts mit Alveole

Hier bietet die Bodenplatte einen guten Blick in das Teilskelett mit Rostrum, Alveole und dem Phragmokon, dem gekammerten Auftriebskörper. Die Kammerscheidewände, die Septen, folgen dicht auf dicht der äußeren Rundung des Fossils und liegen in einem rechten Winkel zur Längs-richtung. Die Kammern sind wie beim Ammoniten miteinander und mit der Wohnkammer durch einen Sipho verbunden. Der Sipho ist ein Gewebe-band, das zum Weichteilkörper des Tieres gehört. Über den Sipho konnte Gewebswasser oder ein Gas oder Luft in die Kammern eingeleitet oder abgesaugt werden.

Hier einige echte Belemnitenfunde: Meistens findet man nur das Rostrum, die Rostren, beim Suchen. Die Rostren haben unterschiedliche Formen und Namen. Im Bild könnte man den Buchstaben a, b, c folgende Namen zuordnen:   der speerförmige Belemnit, der pfahlförmige Belemnit, der gigantische Belemnit, der keulen-förmige Belemnit, der spitze Belemnit.

(Lösung ganz am Ende!)

Nochmals Rostrum und Alveole im Längsschnitt und auf der Münze das Rostrum im runden Quer-schnitt. Das Rostrum besteht aus kristallinem Kalk. Die Kristalle sind strahlenförmig angeordnet. In der Mitte ist der Punkt, an dem das Wachstum des Phramokons im Tier begann. Eine Gaskammer nach der anderen entstand, die letzte immer etwas größer als die vorige, weil auch das Tier mit seinem Kopf und seinen Fangarmen und seinen inneren Organen größer und schwerer wurde. Gleichzeitig wuchs auch das Rostrum, um mit zusätzlicher Masse das Tier im Gleichgewicht zu halten.

Der eingeschwemmte Alveoleninhalt und der kristalline Kalk des Rostrums reagieren bei Schwarzlicht mit unterschiedlichen Farben.

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Das Palladio-Motiv

Beim Palladio-Motiv geht es nicht um einen "Leitgedanken", den der große Baumeister Andrea Palladio bei seinen Plänen verwirklichte. Das Palladio-Motiv ist vielmehr ein bestimmtes "Stilelement", das der Renaissance-Meister in seiner Architektur kreativ-variierend einsetzte und für ihn typisch wurde.  

Ein dreiteiliges Papiermodell in Grün und das  Palladio-Motiv: Andrea Palladio gestaltete gelegentlich den Bereich eines Fensters oder einer Tür nach dem Muster "in der Mitte eine Arkade, rechts und links eine niederere Rechteckfläche". Eine Arkade ist ein Bogen, der von zwei (runden) Säulen oder (eckigen) Pfeilern getragen wird. Ganz einfach ausgedrückt, wäre das Muster, Stil-mittel "R+A+R" (Rechteck+Arkade+Rechteck).

Diesen Teil des Turms der St. Franziskuskirche könnte man mit dem Palladio-Motiv "R+A+R" interpretieren. Die Arkade hat Pfeiler. Durch das Steinband wird die Arkade in einen Halbkreis und ein Rechteck unterteilt. Gab es das Steinband schon immer? Oder wurde es erst später einge-baut, um den Turm zu stabilisieren?

Der links abgebildete Turmabschnitt verbindet sich mit der Architektur der Renaissance insgesamt. Der tiefer liegende Turmabschnitt rechts lässt eher, weil detailbegrenzt, an das Palladio-Motiv denken: Es ist eine Wandöffnung für Türen und hier für ein Fenster, die aus drei Teilen besteht, zwei Seitenteilen und einem Mittelteil. Die beiden Seiten haben oben einen waagrechten Abschluss (Sturz). Die Mitte hat einen Rundbogen und wird von Säulen getragen.

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Lösungen: a. der pfahlförmige B., b. der gigantische B., c. der keulenförmige B.

(a. und c. stammen aus einem Steinbruch in Holzmaden, b. ist ein Fundstück aus dem Zipfelbachtal bei Weilheim an der Teck. Dieser Belemnit konnte bis drei Meter lang werden - gigantisch! Bei c. ist die Keulenform deutlich zu sehen; dieser Fund ist sehr klein. Den "spitzen" Belemniten gibt es nicht. Der speerförmige Belemnit ist in den Jura-Bodenplatten zu sehen.)