Chronik

Vom Mineralienmuseum zur Mineralienwelt

Geburtswehen und Geburtsstunde des Mineralienmuseums in Pforzheim gehen auf das Jahr 1976 zurück. In jenem Jahr beschloss eine Gruppe von ortsansässigen Mineraliensamm-lern, ihre privaten Schätze der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Leitung und Organisation dieser Ausstellung übernahm Max Kramer aus Dill-Weißenstein. Die Veranstaltung lockte zahlreiche Besucher an, was die engagierten Sammler ermunterte, über eine ständige Ausstellung in einem Museum nachzudenken.

  

Das alte Museum in Dillweißenstein

Schon ein Jahr später konnten sie ihre Überlegungen verwirklichen. Als Museumsgebäude fand sich das ehemalige Rathaus von Dill-Weißenstein, welches die Stadt Pforzheim den Sammlern dankenswerterweise für ihr Vorhaben überließ. Nachdem die ersten 18 Vitrinen aufgestellt waren, wurde das Museum am 2. Februar 1977 eröffnet. Am 3. Februar 1984 wurde dann der Arbeitskreis Mineralienmuseum Pforzheim-Dillweißenstein gegründet, der ab diesen Zeitpunkt auch die Leitung des Museums übernahm.

Den Grundstock der Ausstellungsstücke bildete die umfangreiche Sammlung Max Kramers. Im Laufe der Jahre wuchs die Zahl der Exponate auf etwa 3200 Mineralien in rund 100 Vitrinen. Die meisten Mineralien waren private Leihgaben, die meisten Vitrinen das Ergebnis einer unermüdlichen Arbeit durch Max Kramer. Sein beispielloses Wirken und sein handwerklichen Geschick trugen entscheidend dazu bei, dass das Museum zu einem Erfolg und zu einer Attraktion in Pforzheim wurde. Im Jahr 1997 würdigte die Stadt sein Engagement und verlieh ihm die Ehrenbürger-Medaille.

In der Mitte rechts Max Kramer

Nach mehreren Erweiterungen präsentierten sich die ausgestellten Mineralien auf drei Etagen in zwölf Räumen.

Von Anfang an sollte das Museum die Vielfalt der Mineralien in aller Welt zeigen, aber auch einen deutlichen Bezug zur Geologie und zum Bergbau der näheren Umgebung haben. Als Beispiel für die große weite Welt steht hier unser Ulexit mit ein paar sachdienlichen Hinweisen.

Ulexit. Fernsehstein; parallelfaserige Ausbildung bei unserem Exponat; unter verschiedenen Blickwinkeln fotografiert.

Ulexit ist ein eher seltenes Mineral. Es ist eine Natrium-Calcium-Bor-Verbindung, aus der Bor gewonnen werden kann.  Ist der Ulexit parallelfaserig ausgebildet, dann wird eine senkrecht zur Faserrichtung unterlegte Schrift an die Steinoberfläche transporiert. Dieser Schriftleiteffekt, diese besondere Eigenschaft des Minerals, brachte ihm den Namen Fernsehstein ein. Der Hamburger Chemiker Georg Ludwig Ulex hat das Mineral um 1850 zum ersten Mal beschrieben. Als Sediment wird es in ausgetrockneten Salzseen gefunden, als Exponat bei uns im Museum.

Ulexit, mit und ohne Ulexit. Der Schriftleiteffekt zeigt sich auch bei unserem Exponat, wenn es mit unterschiedlicher Augenhöhe betrachtet wird.

Die „Bodenschätze vor der Haustür“ waren den Sammlern und Ausstellern der ersten Stunde und später auch dem Verein immer wichtig. So nahmen und nehmen die gesammelten Stücke aus der Region einen ganz besonderen Platz ein, sei es ein „Glaskopf“ aus dem nahen Schwarzwald, ein „Pforzheimer Stinkquarz“ oder eine „Calcitdruse“ aus dem Enzkreis. Mit diesen „Primärmineralien“ hat sich der etwas private und lokalorientierte Charakter des Museums bis zum heutigen Tag erhalten.

Bodenschätze vor der Haustür: Links Brauner Glaskopf aus Neuenbürg, Mitte Calcitdruse aus Illingen, rechts ein Pforzheimer Stinkquarz.

Einschneidende Veränderungen brachte das Jahr 2005. Das Museum zog um, vom Rathaus ins Industriehaus, vom Außenort Dill-Weißenstein mitten ins Herz von Pforzheim an den Leopoldsplatz. In jenem Jahr wurden die „Schmuckwelten“ im Industriehaus eröffnet. Dort, im Untergeschoss fand das Mineralienmuseum neue Ausstellungsräume und einen neuen Namen - „Mineralienwelt“. Im Klang dieses Namens schwingt ein Zuwachs an Größe und Glanz, an Wert und Weitläufigkeit mit, was durchaus berechtigt ist. Das Museum ist heute leicht zu erreichen, ergänzt mit seinen kostbaren Steinen die edlen Steine der „Schmuckwelten“ und bietet dem Besucher mit über 5000 Exponaten mehr Augenschmaus als je zuvor. Im Eingangsbereich können heute Mineralien gekauft werden, und statt einmal wöchentlich ist das Museum jetzt von Montag bis Samstag geöffnet! Sonn- und feiertags geschlossen!

Die „Mineralienwelt“ wird ideell und finanziell von der Stadt Pforzheim und der „Sparkasse Pforzheim-Calw“ unterstützt. Das betrifft vor allem die Miete und die Aufsicht führenden Personen. Die Sammlungen hingegen, die Mineralien und Exponate, werden von einem Verein betreut. Die Vereinsmitglieder sind ehrenamtlich tätig und kümmern sich um die „kleinen“ Dinge des laufenden Betriebs: Vitrinen putzen, Mineralien abstauben oder durchgebrannte Leuchtstrahler austauschen, aber auch um die „großen“, wie Sonderausstellungen, Führungen, Exkursionen und Vorträge.

Der Verein hatte im Jahr 2014 ein Dutzend aktive Mitglieder. Seit dem 2. Juli 2007 ist Norbert Imhoff der Vorsitzende des Vereins, Peter Wittur der Zweite Vorsitzende. Max Kramer hat den Ehrenvorsitz. Er leitete das Museum seit seiner Gründung bis zum April 2007.  

Der Verein trifft sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat zwischen 19.00 Uhr und 22.00 Uhr. Wer dem Verein beitreten möchte, ist herzlich eingeladen!

 

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