Pinache - Wanderstrecke bei der Waldenserhalle

Bei Pinache im Heckengäu an der Grenze vom Oberen zum Mittleren Muschelkalk

Was Pinache ist 

Pinache ist ein Teilort von Wiernsheim. Pinache ist seit 1699 ein Ort im Heckengäu. Pinache ist ein Waldenserort. Pinache ist eine Gründung von Glaubensflüchtlingen aus dem italienisch-französischen Grenzgebiet. Pinache ist historisch interessant. Aber wem das zu wenig ist: Pinache ist auch eine geologische Wanderung wert. 

Waldenserhalle von Wiernsheim-Pinache

Was Pinache hat

Pinache hat als Teilort von Wiernsheim Anteil am Kaffeemühlenmuseum, weil dieses Museum eben Wiernsheim hat. Pinache hat sicher auch seinen Anteil am European Energy Award Gold, eine Auszeichnung, die Wiernsheim für seine außergewöhnlichen Anstrengungen beim Klimaschutz und bei der Energieeffizienz erhielt. Pinache hat die älteste Waldenserkirche Deutschlands, eine Waldenserhalle und davor den Waldenserhallen-parkplatz, auf dem die Wanderung losgeht. Schließlich hat Pinache eine geologisch interessante Ackerflur.

Alles werden Sie nicht entdecken, was hier beschrieben ist. Vielleicht aber doch das eine oder andere. Die Seiten hier lassen sich kopieren und ausdrucken. Empfehlenswert ist die Wanderung an einem sonnigen Tag im Winterhalbjahr. Dann ist am meisten zu sehen.

Ein Pforzheimer Stinkquarz, gefunden in Pinache, dreht sich für Sie!

Was die Karte zeigt

Die Wanderung beginnt auf dem Parkplatz P an der Waldenserhalle und führt entlang der gelben Pfeile über 5 Stationen wieder zum Parkplatz zurück. Die Hecken und Stromstraßen helfen bei der Orientierung. 

Im Jahr 2015 wurde quer über die Ackerflur eine Gaspipeline verlegt. Die ausgebaggerte Trasse brachte insbesondere bei der Unterquerung der L 1134 eine Vielzahl interessanter Gesteine zutage, denn ausgerechnet an dieser Stelle steht der abwechslungreiche Mittlere Muschelkalk (mm) an und nicht der eher eintönige Lösslehm. Der braune Fleck bei (6) zeigt die Ausdehnung des Mittleren Muschelkalks an der L 1134. Drum herum liegen die Äcker im steinfreien Lösslehm. Der Gesteinsreichtum des Mittleren Muschelkalks wird in einer Großbildshow weiter unten vorgestellt. Jetzt gibt es an der L 1134 nichts mehr zu sehen. Die Gasleitung ist verbuddelt.

Die Wanderung folgt ab der Waldenserhalle W in Pfeilrichtung dem Kaltenbergweg zwischen einer Hecke und einer Streuobstwiese. Wenige Meter weiter geht es unter eine Hochspannungsleitung durch. Rechts und links liegen nun Äcker. Die Station 1 ist erreicht.

Station 1 - die Ackerbraunen und die Ackerbunten

Foto oben: Die Äcker am Kaltenbergweg bei der Stromstraße sind ackerbraun-lehmig-steinig. Foto unten: Wird der eine oder andere Stein zerschlagen, kommt Farbe ins Spiel. Auch nach einem Regenguss wird es bunter: roter Ziegelstein, gelbe Dolomitsteine, blaugraue Blaukalke und schwarze Hornsteine (zwei rechts unten). Die Äcker liegen hier im Mittleren Muschelkalk (mm).

Der schwarze Hornstein gehört wesentlich zum Mittleren Muschelkalk. Dieser Pinacher Hornstein hat unterschiedliche Seiten - Glanz wie Wachs oder eben ein Kuhhorn, gelbliche Brauneisenerz-Einlagerungen und eine oolithische Seite als "Eierstein". Die Ooide, die eiförmigen weißen Gebilde, bestehen aus einer Quarzmasse.

Je nach Wetterlage sieht man die Hornsteine am Ackerrand sehr gut oder überhaupt nicht. Wer sie nun unbedingt sehen möchte, muss sich am Ackerrand bücken. Dann kann man auf jeden Fall kleine Hornsteinstücke sehen, winzig klein wie links bei der Münze.

Station 2 - die Gelben mit dem hellen Geglitzer

Es geht auf dem Kaltenbergweg weiter in Richtung Westen, an einem Aussiedlerhof vorbei, bis der erste landwirtschaftliche Weg nach links abzweigt. Dieser Weg führt den Hang hinauf. Schon nach wenigen Schritten gibt es einen Stopp an einem Hochspannungsmasten (Bild links). Seine Besonderheit ist, dass die Drähte in drei verschiedene Richtungen wegführen. Unmittelbar am Hochspannungsmasten sind die Äcker äußerst steinreich. Die Steine entstammen dem Mittleren Muschelkalk. Es sind vorwiegend Dolomitsteine, bei denen die Gesteinsgrundmasse ein Calcium-Magnesium-Karbonat ist. Die Steine sind sehr hart, härter als die magnesiumfreien Kalksteine. Eisenerz in rostigen Tönen, schwarze Manganoxidspuren und helle, glitzernde Kalkspat/Calcit-Kristalle sorgen für Abwechslung. Der Grundfarbton ist Gelb. Der Kalkspat/Calcit  zeigt sich ganz unterschiedlich im Dolomitstein: in Flecken, als hochstehende Grate, als dünne Schicht, als weiße Ader, in Nestern oder mit deutlichen Kristallen in den Löchern und Gesteinshohlräumen. Da ist ab und zu eine hübsche kleine Calcit-Druse dabei.

Die Dolomitsteine am Hochspannungsmasten haben die unterschiedlichsten Gelbtöne. Eisenverbindungen bringen Rosttöne, Manganoxid verursacht schwarze Flecken. Die abgebildeten Steine enthalten kaum kristallinen Calcit.
Gelblich verwitternder Zellendolomit mit hochstehenden Calcit-Graten
Der gelblich verwitternde Dolomitstein hat Drusen, Löcher, die mit weißen Calcit-Kristallen ganz oder teilweise ausgefüllt sind.
Dichte Dolomitsteine ohne Calcit-Einlagerungen, aber mit orangefarbenen Limonit-/ Brauneisenerz-Spuren.
Dolomitsteine, links mit hellen und geraden Calcit-Leisten, rechts mit gewundenen Brauneisenerz-Bändern
Speckig glänzende, braungraue Dolomitsteine mit einer dichten Grundmasse
Gelbe, etwas löchrige Dolomitsteine mit hellen Calcit-Leisten = dünnen Calcit-Schichten, die den Stein durchlaufen.
Dolomitstein, Mittlerer Muschelkalk

Der Dolomitstein vom Hochspannungsmasten ist eine bunte Mischung aus gelblichem Brauneisenerz, bläulichem Chalcedon, orangefarbener Calcit-Dolomit-Druse und silbergrauen Verkieselungsflecken auf dem braungrauen Teil des Steins (weiße Pfeile).

Von der Station 2, dem Hochspannungsmasten, wandert man auf dem Feldweg weiter. Er führt den Hang hoch. Man bleibt so lange auf dem Weg, bis er die höchste Stelle des Hangs erreicht hat und dort in einen breiteren asphaltierten Feldweg mündet. Gute Sicht ist nun nach allen Seiten, in die Ferne, aber auch in die Nähe, denn an der Einmündung liegt die Station 3.

Station 3 - die Blaugrauen mit fossilen Spuren

Hier, an der höchsten Stelle des Hangs, liegen die Äcker in den untersten Schichten des Oberen Muschelkalks. Die Ackersteine sind Kalksteine. Dolomitsteine gibt es hier keine. Die Grundmasse des Kalksteins besteht aus Calcit (aus Calciumkarbonat), dessen eigentlich helle Farbe durch Pyrit und Bitumen einen dunklen Ton bekommt. Die schwefelhaltigen und ölartigen Substanzen sind im Gestein fein verteilt. (Unter "Steinbilder" mehr Informationen!)

Fossilleerer Blaukalk im Oberen Muschelkalk

Die Kalksteine entstanden aus dem schlammigen Boden des Muschelkalkmeeres vor rund 240 Mio. Jahren. In diesem Meer lebten Tiere. Hatten sie Schalen und Gehäuse, konnten diese nach dem Tod im und mit dem Meeresbodenschlamm versteinern. Und so gibt es in den Kalk- und Ackersteinen fossile Spuren von Muscheln, Terebrateln und Seelilien. (Mehr Infos bei "Steinbilder"!)

Die runden Scheiben mit dem Punkt in der Mitte sind Seelilien-Stielglieder. Das Fremdwort dafür ist Trochiten. Der Kalkstein heißt deshalb auch Trochitenkalk. Im Voksmund werden die Stielglieder "Steinührle" genannt. Mehr Infos unter "Steinbilder"!
Seelilien-Stielglied in Großaufnahme. Es besteht aus einem einzigen, fein geschichteten Calcit-Kristall ohne Pyrit und Bitumen. Der "Einkristall" spiegelt in der Sonne, und wie!
Der Trochit spiegelt in der Sonne.
Kalksteine mit Stylolithen - parallelen Strukturen im Stein - sind an der Station 3 relativ häufig zu beobachten. In den feinen parallelen Rillen hat sich rostfarbenes Brauneisenerz abgesetzt. Infos unter "Steinbilder"!
Kalkstein mit Stylolithen von einem Mönsheimer Acker. In Pinache sind die Stylolithen nicht so deutlich ausgeprägt.

Station 4 - die Blaugrauen mit den Terebrateln

Auf dem Höhenweg geht es nun weiter nach Westen bis zur nächsten Feldwegkreuzung. Hier beginnt eine Hecke, und hier steht eine Sitzbank. Der Feldweg nach rechts wird eingeschlagen. Er führt wieder den Hang hinunter, direkt auf eine Hecke zu, die als leicht geöffneter Vorhang nur den Feldweg durchlässt. Zwischen der oberen "Sitzbank-Hecke" und der unteren "Vorhang-Hecke" ist die Station 4. Die Äcker sind voll mit groben Kalksteinen, die in diesem Bereich häufiger mal Muscheln oder Terebrateln führen. 

An der Feldwegkreuzung geht es wieder den Hang hinunter. Auf den Äckern im Bereich von "Station 4" liegen sehr viele Kalksteine. Auf manchen lassen sich Muscheln und Terebrateln entdecken.

Es versteht sich von selbst, dass man die Ackerflächen nicht betritt, schon gar nicht, wenn die Feldfrüchte heranwachsen. Da die Äcker aber sehr steinreich sind, lässt sich das eine oder andere auch am Wegrand beobachten. Die beste Zeit für die geologische Wanderung ist natürlich die vegationsarme Spanne zwischen Oktober und März. Auch in diesen Monaten gibt es sonnige und schneefreie Tage, die ins Pinacher Heckengäu locken!

Eine

bescheidene

kleine

Muschel

auf einem

Kalkstein der

Station 4.

Auf dem Asphalt ein Herbstblatt. Auf dem Herbstblatt zwei Kalksteine. Auf den Kalksteinen fossile Spuren: Eine Terebratel liegt neben dem Loch, in dem sie steckte. Ganz unten zeichnet sich eine Muschel ab. - Ein Klick aufs Bild vergrößert!

Weitere Kalksteine am Wegrand bei "Station 4":

Die Terebratel-Spuren sind mit einem Bleistift hervorgehoben. Die Kalksteine mit Terebrateln liegen natürlich nicht haufenweise am Wegrand! Aber es gibt sie, und es gibt gelegentlich den Glücksfall, sie zu sehen.

Die "Vorhang-Hecke" im herbstlichen Gewand öffnet sich für die Wanderstrecke!

Die Station 4 reicht hinunter bis zur "Vorhang-Hecke". Diese Hecke kennzeichnet ungefähr die Grenze zwischen dem Oberen und dem Mittleren Muschelkalk. Bis zur Hecke liegen blaugraue Kalksteine, nach der Hecke gibt es wieder gelbliche Dolomitsteine auf den Äckern. 

Station 5 - die Runden, die hier eigentlich nicht hergehören

Station 5 ist unmittelbar nach der "Vorhang-Hecke" an der "Vorhang-Hecke". Hier fallen die vielen gerundeten Steine auf: Flussgeröll! 

Die Enz fließt nur wenige Kilometer entfernt, so dass man vermuten kann, dass es ihr Geröll ist. Die Ur-Enz hatte vor 1 Mio. Jahren noch kein eingetieftes Tal zwischen Mühlacker und Vaihingen, sondern floss auf der Höhe. So ist es nicht ungewöhnlich, dass hier an der Hecke ein kleines Geröllfeld zu sehen ist.

Die Gerölle bestehen aus Buntsandstein, den die Ur-Enz aus dem nahen Schwarzwald mitschleppte und zum Geröll rundete. Aufgeschlagen wird der rötliche Sandstein deutlich. Das Innenleben der Gerölle ist verschieden, weil sie aus unterschiedlichen Buntsandsteinschichten stammen.

Aufgeschlagenes Urenz-Geröll, links "Tigersandstein" mit orangefarbenen Tüpfeln und schwarzer Mangankruste, rechts ein verquarzter, sehr harter Buntsandstein. Beide gehören in den Mittleren Buntsandstein.

Wenige Minuten nach der "Vorhang-Hecke" ist der Kaltenbergweg wieder erreicht. Es geht zurück zur Waldenserhalle.

 

Linker Hand ist vom Kaltenbergweg (noch) sehr gut der Sendermasten von Mühlacker zu sehen. Hier im Bild am späten Nachmittag im Herbst 2015. Wird der Sendermasten abgerissen? Es wäre schade.

Station (6) - das steinerne Potpourri der Gaspipeline-Trasse

 

Im Jahr 2015 wurde quer durch den Enzkreis eine Gashochdruckleitung verlegt und aufwändig zwischen Pinache und Wiernsheim unter der         L L 1134 hindurchgeführt. Eine interessante Gesteinswelt kam dabei zutage. Sie kann im Folgenden im Großbild angesehen werden. Heute gibt es dort nichts mehr zu sehen. Alles ist verbuddelt und zugeschüttet.

Für die Großbildshow unten rechts auf den Pfeil im Rahmen klicken. Dann aufs erste Bild unten links, dann auf das Dreieck. Über die "Esc"-Taste kann man das Großbild verlassen.