Mühlhausen - Mannigfach Muschelkalk auf dem Weg

von der Marienkapelle über den Silberberg hoch ins Heckengäu bei Heimsheim. Und Kiefernzapfen!

Die Marienkapelle in Mühlhausen steht an der Tiefenbronner Straße. Gegenüber beginnt ein Wanderweg mit dem abgebildeten Wegweiser "Silberberg - 1 km, Heimsheim ...". Hier beginnt auch die geologische Wanderung:

Früher oder später, aber immer nach 400 m erreicht man diesen Baum und diese Bank. Im Sommerhalbjahr tarnt der Baum sich mit reichlich Blättern. Für eine Pause auf Bank ist es noch zu früh. Weil so viele Zeichen nach rechts zeigen, geht es an dieser Stelle natürlich nach rechts ab.

Vor dem Weiterwandern lohnt ein Blick auf die Äcker beiderseits des Wegs. Rechts liegen am Ackerrand eher rötliche Plattensandsteine aus dem Oberen Buntsandstein und links eher gelbliche calcitdrusige Dolomitsteine des Unteren Muschelkalks:

Im Umfeld von Baum und Bank sieht man rötlichen, ebenplattigen  Plattensandstein mit rostfarbenen Brauneisenerzspuren und schwarzen Manganoxidflecken. Die Eisenverbindung Hämatit färbt die Sandkörner des Steins rötlich ein.- Der Dolomitstein hat seine gelbe Farbe durch Limonit (Eiseneinlagerungen). Heller Calcit/Kalkspat zeigt sich reichlich im Stein in Drusen, Adern und Nestern. Ohne Hammer zeigt sich freilich wenig bis nichts!

Es ist selbstverständlich, dass man nicht auf den Äckern "umherspaziert"! Denn fast das ganze Jahr über ist etwas angebaut. Vegetationsfrei oder frisch  gepflügt - das waren die Zeiten für die gezeigten Bilder. (Station 1)

Ein Blick vom Wasserhochbehälter Mühlhausen hinüber zur Waldfläche am "Silberberg". Und insgesamt ein Blick ins Heckengäu. Geblickt wurde im Februar. Die besten geologischen Einblicke gibt es eben im Winterhalbjahr.

Die Wanderung folgt den roten Pfeilen und hat 10 Stationen. Zweimal wird dabei die Grenze zwischen Baden und Württemberg überschritten. Aber man muss keine Ausweispapiere bei sich führen. Der Enzkreis wird ja nicht verlassen. "BB" bedeutet "Baum und Bank", "H" ist "Hecke".

Der Klick auf die Karte macht alles ein bisschen größer und schärfer!

Das Naturschutzgebiet "Silberberg" ist schmal und lang gestreckt. Bevor man den lockeren Kiefernwald betritt, kommt man an diesem Geo-Punkt vorbei.

Ein unbefestigter Wanderweg führt leicht ansteigend ins Naturschutzgebiet "Silberberg" hinein. Auf dem Weg liegen allerlei Steine:

Die Steine auf dem Wanderweg lassen sich ordnen. Dafür sind im folgenden Bild nicht die Steine des Weges genommen, sondern Lesesteine vom Waldrand oder Steine von den nahen Ackerrändern außerhalb des Naturschutzgebiets:

Links: rotbraune Plattensandsteine aus dem Oberen Buntsandstein, leicht zu zerschlagen, weil die Sandkörner durch Ton verbacken sind. Am häufigsten  100 m unterhalb des Geo-Punkts. (Station 2)

Mitte: ockergelbe, nicht sehr harte Dolomitsteine, gleichförmig in der Farbe; sie gehören in den untersten Unteren Muschelkalk (Freudenstadt-Formation, Wellendolomit). Am häufigsten am Geo-Punkt. (Station 3)

Rechts: ockergelbe gröbere  Dolomitsteine mit Farbtupfern und bunten Flecken; sie sind sehr hart, oft drusig und kristallin (Freudenstadt-Formation, Wellendolomit). Am häufigsten bis 100 m bergauf ab dem Geo-Punkt. (Station 4)

Die Farbtupfer und bunten Flecken auf den groben, rauen Dolomitsteinen der Freudenstadt-Formation:

  • schwarz:               Manganoxid
  • weiß:                    Calcit/Kalkspat
  • gelb, rostfarben:    Limonit/Brauneisenerz
  • blau:                      Kupferverbindung Azurit
  • grün:                     Kupferverbindung Malachit
  • grau, ockerfarben: Grundfarbe des Dolomitsteins

Die Kupferspuren, blauer Azurit und grüner Malachit, sind winzig und nur selten auf einem frisch frostgespaltenen Stein zu sehen. Aber sie lassen sich vermuten, wenn ein Dolomitstein wie der oben abgebildete diese weißgraublauen Flecken aus Calcit hat. Solche Steine sind häufiger auf dem Weg zu beobachten.

100 m vom Geo-Punkt entfernt ist bergauf der Wanderweg deutlich steiler und völlig anders besteint:

Die Wanderschuhe drücken kleine rundliche Steine in den weichen Boden, der bei Nässe recht schmierig und rutschig werden kann. Gras tut sich schwer, hier zu wachsen. Der Wanderweg ist an dieser Stelle eher steinig als grasig!

Man ist mitten im "Wurstelmergel" des Unteren Muschelkalks. Mergel? Der Mergel, der Mergelstein ist kalkig und tonig zugleich, eine Mischung aus Kalkstein und Tonstein, wobei die Tonanteile überwiegen. Wenn die Steine verwittern, werden die Tonteilchen frei, und der Boden wird bei Nässe glitschig. Der Tonanteil macht diesen Mergel weich, so dass die Steinchen gerundet aussehen. (Station 5)

Das Gestein ist nach wie vor dolomitisch. Die Dolomitsteine des "Wurstelmergels", der "Wurstelbänke" verwittern gelblich grau und zerfallen zu kleinen unregelmäßigen Formen, wobei rundliche, wurstähnlich Formen immer wieder zu finden sind, typisch sind, namenserklärend sind. Fürs Foto wurden sie gezielt gesammelt und für wegen des Größenvergleichs um die Münze gelegt. Der "Wurstelmergel" kann fossilreich sein, der "Silberberg" ist es nicht. Nach 30 Minuten Suche konnte die eine kleine Muschel auf die Münze gelegt werden. Der "Silberberg" hat kaum fossile Schätze, dafür um so mehr pflanzliche:

Aufnahme im Februar. Von April bis zum Oktober wird hier mehr geboten! Dann ist der "Silberberg" und seine nächste Umgebung mit Flora und Fauna von hoher Attraktivität.

Der Gesteinshorizont "Wurstelmergel" ist im Wegebereich grasfrei. Die Verwitterung bringt kleine Steine hervor. Der Boden ist tonreich-weich: All das fördert die Erosion, die Auswaschung des Wanderwegs. Dort, wo bergaufwärts der Erosiionsgraben aufhört (links), wird die nächsthöhere Gesteinsschicht erreicht, der "Horizont der Deckplatten". Danach gibt es bis zum Ende des Naturschutzgebiets (rechts) geologisch nichts mehr zu sehen.

Wieder ändert sich der Gesteinscharakter auf dem Wanderweg. Graue, oft rautenförmige oder viereckige Dolomitplatten bilden den Untergrund des Wegs. Man entdeckt den ebenplattigen Dolomitstein leicht, sofern man den Wanderwegboden genau im Auge behält. Der "Horizont der Deckplatten" ist nur auf auf wenigen Metern der Untergrund. (Station 6)

Am oberen Ende des Naturschutzgebiets verlässt man den Kiefernwald und Baden und betritt die Ackerflächen des Heckengäus und ist in Württemberg. Die Waldgrenze folgt dem ehemaligen Grenzverlauf: auf dem folgenden Foto zwischen Wiese und Wald links.

Man verlässt den Wald, man überschreitet die Grenze und findet auf dem sich unmittelbar anschließenden Acker den Wellenkalk aus dem oberen Unteren Muschelkalk. (Station 7)

Wellenkalkstücke

Die Gesteinsschicht unter dem Wellenkalk ist der Horizont der Deckplatten. Er ist hier gut zu beobachten. Dafür geht man ab dem Schild "Naturschutzgebiet" etwa 150 Schritte auf dem Grenzweg nach rechts den Hang hinunter. Es gibt Grenzsteine und einen Grenzwall:

Ab und zu quert ein Wildwechselpfad den Grenzwall. Die Tiere sind nachts unterwegs. Tagsüber lauern hier im Sommerhalbjahr nur die Zecken in froher Erwartung. Solche Pfade meiden!

Nach 150 Schritten hangabwärts liegen am Ackerrand überdeutlich die "Bauklötzchen" des Deckplatten-Dolomits. Wegen seiner feinen Schichtung nimmt der Dolomitstein beim Zerschlagen immer wieder eine ähnliche "rechteckige" Form an. Die Stücke im folgenden Bild gehören zu einem Stein:

Nach diesem Abstecher geht es wieder zurück, 150 Schritte hoch zum Wanderweg nach Heimsheim. Auf dem Weg in Richtung Heimsheim wird der Wellenkalk allmählich abgelöst durch einen dunklen schiefrigen, tonig-kalkig-bituminösen Mergelstein. Der Mittlere Muschelkalk setzt ein mit der Geislingen-Formation:

Der schiefrige Mergelstein liegt am Ackerrand, aber auch noch Wellenkalkstücke, außerdem kleine Platten mit Muschelabdrücken. Es gibt zusätzlich  Buntsandsteine, Ziegelsteine und Betonbrocken. Das geht so, bis man den

erreicht. Dort steht an einer Hecke (des Heckengäus) die Stationstafel Nr. 3:

Die Hecke wird durch eine leicht erhöhte Betonfläche, eine Einrichtung der  Bodensee-Wasser-Versorgung, unterbrochen. Hier im Bereich von Hecke, Bibelweg und BWV-Betonfläche liegt vorwiegend die Geislingen-Formatioin des  untersten Mittleren Muschelkalks. Das schiefrige dunkle Gestein enthält gelegentlich winzige Kristallspuren von Metallverbindungen. Zwischen den Mergelstücken liegen Dolomitsteine, die den Deckplatten-Dolomiten ähnlich sind.

Die Metallspuren an den roten Pfeilen sind vergrößert wiedergegeben. Unter dem Mikroskop sind zarte parallel liegende, schwarz-glänzende Kristalle zu sehen. (Station 8)

Es geht weiter in Richtung Heimsheim. Dolomitsteine lösen die Mergelsteine ab. Am Ackerrand können  verschiedene Dolomitsteine entdeckt werden.

(Station 9)

a. Ein intensiv gelber flacher, oft gerundeter Dolomitstein zeigt sich am häufigsten.

b. Ein gröberer, klotziger Dolomitstein, der mit glitzerndem Calcit/Kalkspat reichlich durchsetzt ist, kommt weniger häufig vor.

c. Ein graugelber, auch brauner Dolomitstein, der im Sonnenlicht speckig glänzende Flecken hat (im Bild die hellen Flecken). Die Flecken sind Verquarzungen im Stein. Man braucht allerdings einen Hammer, um die Flecken auf frischen Bruchflächen zu sehen.

d. Und es gibt massenhaft große flache Dolomitstein-Platten, die sich hier an den Hammer schmiegen. Am Wegrand liegen so viele von diesen (Orbicularis-) Platten, dass das Bild nach 5 Minuten fertig war und nach 10 Minuten wieder alles weggeräumt! Die Platten sind gut zu finden und zu sehen - 90 Schritte von der BWV-Betonfläche in Richtung Heimsheim, dann 40 Schritte nach links auf dem Feldweg.

Am Ende des Feldes bei Station 9 trifft der der Wanderweg auf das asphaltierte Sträßchen Heimsheim - Mühlhausen. Es geht nach links den Berg hinab in Richtung Mühlhausen weiter und zurück.

Der Betrachter schaut von Baden aus nach Württemberg. Rechts reicht der Kiefernwald des "Silberbergs" bis zur Straße hin. Links und hinter den Bäumen liegen die Ackerflächen des Heckengäus. Die ehemalige Grenze zwischen Baden und Württemberg verläuft am Waldrand entlang und quert überdeutlich die Straße: Der württembergische Teil der Straße glänzt im Asphalt, der badische Teil der Straße ist naturnaher gestaltet. Hier in diesem Gebiet stößt man wieder auf den "Horizont der Deckplatten". (Station 10)

Ein Dolomitstein aus dem "Horizont der Deckplatten" vom Ackerrand im Bereich von Station 10:

Der Deckplatten-Dolomitstein ist flach, ebenplattig. Die Steine kommen gar nicht so selten geometrischen Formen nahe: Viereck, Trapez, Raute... Häufig zeigen die Steine auch eine feine Schichtung:

Was passiert an den Schichtflächen, wenn der Stein mit Säure in Berührung kommt? Auf dem folgenden Bild liegen auf einem Gurkenglasdeckel zwei

Steine in Zitronensäure. Der linke Stein ist ein blaugraues Muschelkalkstück mit rostfarbenem Brauneisenerz aus dem Wellenkalk, chemisch gesehen ein Calciumcarbonat (CaCO3). Der rechte Stein ist ein gelbgrauer Dolomitstein aus dem "Horizont der Deckplatten", chemisch gesehen ein Calcium-Magnesium-Carbonat (CaMgCO3).

Der Kalkstein reagiert in der Säure heftiger als der Dolomitstein. Kommt er mit der Säure in Berühung, schäumt er sofort auf. Der Dolomitstein reagiert verzögert, weil er nicht so viel Kalk enthält.

Der Kalkstein reagiert heftiger: Die Gasblasen sind sofort da. Die Gasblasen werden sehr groß. Die Gasblasen bilden einen Schaumteppich. Die Gasblasen entstehen überall am Stein.

Der Dolomitstein reagiert zurückhaltender: Die Gasblasen entstehen erst nach einer Weile. Die Gasblasen sind kleiner. Es gibt Stellen mit mehr oder mit weniger Gasblasen. Und: Die Entstehung der Gasblasen wird von der feinen Schichtung im Stein beeinflusst. Die vielen kleinen halbkreisförmigen Gasbläschen sind schichtweise übereinander angeordnet.

Im Dolomitstein der "Deckplatten" gibt es feine Schichten, die eher kalkig als dolomitisch sind. Je mehr Calcium im Carbonat, desto größer die Gasblasen. Im Foto sind offensichtlich zwei Schichten calciumreicher als der Rest. - Die Gasblasen bilden sich, weil bei der chemischen Reaktion CO2/Kohlendioxid entsteht.

Weiße Nebelschwaden in einem Kälteloch an einem trüben Februartag im Gebiet von Silberberg und Heckengäu.

Das Heckengäu ist seit Alters her Ackerland. Viele Hecken sind der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Aber es gibt noch welche. Und sie haben zu jeder Jahreszeit ihren Reiz. Hier ein Blick ins Heckengäu am Rande des "Silberbergs" an einem grauen Tag im Februar:

Der blaue Himmel, die weißen Wölkchen, die Weite der Landschaft, das frühlingshafte Grün, das üppige Wachstum - eine Wanderung durchs Heckgäu am "Silberberg" im Mai bleibt unvergessen. Logisch! Aber wenn die Steine nicht aufgeschichtet sind, kann man´s vergessen! Geologisch!