Mühlhausen - Mannigfach Muschelkalk von der Tiefenbronner Straße hoch zum Natur- und Wasserschutzgebiet "Betzenbuckel"

Ein Blick auf die winterliche Hecke im Bereich "Betzenbuckel"

Das Besondere an dieser Rundwanderung ist, dass Sie an einzelnen Stellen einen Blick in den Sommer werfen können. Das geht, wenn der Link "summer look" erscheint.

Ein Blick auf die sommerliche Hecke im Bereich "Betzenbuckel"

Eine Rundwanderung im Sommer ist natürlich denkbar. Dann erlebt man die Tier- und Pflanzenwelt, und die Welt der Steine wird unwichtig. Werfen Sie einen kurzen Blick auf die sommerlich Welt der Blüten, und entscheiden Sie dann, ob Sie lieber im Juni oder lieber im Februar kommen wollen:

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Die Wanderung beginnt in jedem Fall in Mühlhausen, einem Teilort von Tiefenbronn. Sie führt über ruhige landwirtschaftliche Wege hinauf zum Naturschutzgebiet "Betzenbuckel".

 

Die beste Wanderzeit für die Geologie ist von November bis März. Dann sieht man auch etwas. Es liegt nicht immer Schnee. Wer von außerhalb kommt, findet gute Parkmöglichkeiten bei der Tankstelle "T" in Mühlhausen.

Von der Tankstelle "T" zum Wegkreuz "W" sind es nur wenige Schritte. Hier beginnt die Wanderung. Der landwirtschaftliche Weg ist nicht steil:

STATION grüne 1 auf der Karte: Die ersten 100 m. Der Weg führt durch Buntsandsteingebiet.

summer look - Wegkreuz und Buntsandsteinacker (3 Bilder)

Zu beiden Seiten des Wegs sind die rotbraunen flachen Sandsteine deutlich zu sehen. Es ist "Plattensandstein" aus dem Oberen Buntsandstein:

STATION 2: 100 m vom Wegkreuz entfernt, verliert der Ackerboden seinen rötlichen Farbton. Es beginnt der Muschelkalk, allerdings ohne Kalk(stein)! Gehäuft stecken plötzlich gelbliche Dolomitsteine in der nun graugelben Ackererde.

Die Grenze Buntsandstein/ Muschelkalk ist am Ackerrand gut zu beobachten. Brauneisenerz färbt die Dolomitsteine ockergelb. Manganoxid verursacht schwarze Flecken und Linien. Die Dolomitsteine sind tonreich und deshalb weich, und sie zerfallen schiefrig. Die Steine gehören in den untersten Unteren Muschelkalk. Der Gesteinshorizont heißt "Liegende Dolomite".- Die rötlichen Buntsandsteine gehören in den Horizont des "Plattensandsteins". Es sind flache glimmerreiche Sandsteine, die ebenfalls tonreich und weich sind. Die hellen Pünktchen sind die Glimmerplättchen. Sie sorgen dafür, dass der Sandstein ebenplattig zerfällt. Hämatit färbt die Sandkörner rötlich.

STATION 3: 50 m weiter bergan werden die Dolomitsteine rauer, härter und bunter. Viele glitzern kristallin, weil sie mit weißgrauem Calcit durchsetzt sind. Brauneisenerz bringt Rosttöne, Manganoxid färbt schwarz ein, und ab und zu gibt es auch winzige Kupferspuren: blauen Azurit und grünen Malachit.

Die bunten Löcher dieses rauen Dolomitsteins sind im Folgebild vergrößert:

Oft sind die rauen, grobklotzigen Dolomitsteine drusig: Helle Calcit-Kristalle sitzen in den kleinen Löchern. Blaue Azurit-Fleckchen können dabei sein. Der grüne Malachit zeigt sich hier unter dem Mikroskop radialstrahlig oder kugelförmig.

STATION 4a: 100m weiter bergan säumt rechter Hand eine Hecke mit weißen Birkenstämmen den Weg.

Unmittelbar nach der Hecke liegt links vom Weg gelblicher Dolomitstein aus dem Muschelkalk und rechts rotbrauner Plattensandstein, der in den Buntsandstein gehört. Die weißen Pfeile zeigen darauf:

Der Buntsandstein ist ein "Fake". Es ist aufgeschüttetes Material. 50 m vom Weg entfernt taucht auch rechts auf der Ackerfläche der Dolomitstein auf, geologisch benannt mit "Horizont der Deckplatten". Auf einem schmalen Weg entlang der Hecke lässt sich das nachprüfen.

Was wird auf den verschiedenen Gesteinen angebaut? Dafür gibt es einen

summer look - Feldfrüchte und Hecke (2 Bilder)

Im "Horizont der Deckplatten" sind die Dolomitsteine sehr hart, oft ebenplattig und von feinen parallelen Linien durchzogen.

Je nachdem wie der Stein zerschlagen ist, zeigt er die feinen parallelen Linien = "gegen das Lager", oder die geschwungenen Linien der ursprünglichen Ablagerungsfläche = "mit dem Lager".

STATION 4b: Der "Horizont der Deckplatten" liegt über einer mehrere Meter mächtigen Schicht aus Mergelsteinen, dem "Wurstelmergel":

Die graugelben Steinchen des "Wurstelmergels" können sich optisch gegen die überall umherliegenden großen Dolomitsteine der "Deckplatten" kaum behaupten. Die großen Dolomitsteine wandern von weiter oben den Hang hinab. Auf dem Acker sind die Mergelstücke meistens zu Erde verwittert. Aber sie sind am Ackerrand noch zu beobachten. Ein Mergelstein enthält (viele) Tonteile und (etwas weniger) Kalkteile. Der Tonanteil macht den Mergel weich: Die meisten Steinchen sind abgerundet. Das "Wurstelige" wird bei ein paar Stücken an der Münze deutlich. Der Mergelstein ist dolomitisch, enthält Magnesium, und verwittert gelblich. An sich ist die Mergelschicht fossilreich, nicht aber in Mühlhausen.

STATION 5: Weitere 100 m den Berg hinauf wird ein Streuobstgebiet  erreicht. Ein Foto mit grünen Bäumen und roten Äpfeln wäre sicher hübscher.

Aber für die Geologie ist das Winterhalbjahr geeigneter. Deshalb hier eine Februar-Impression. Im Hintergrund ist rot unterstrichen das Natur- und Wasserschutzgebiet "Betzenbuckel" zu sehen.

Wer trotzdem einen Blick in den Sommer tun will:

summer look - Streuobstwiese (3 Bilder)

Im Bereich der Streuobstwiesen und dem Schild "Wasserschutzgebiet" liegen rostfarbene Dolomitsteine mit auffallend vielen kleinen Calcit-Drusen. Wir sind im Bereich des "Wellenkalks".

STATION 6: Vorherrschend ist aber hier bei Streuobst und Wasserschutzschild der "Wellenkalk".

Dieses Stück "Wellenkalk" stammt aus dem Bereich der Streuobstbäume, ist aber selten. Der Pflug zertrümmert Jahr für Jahr diese typischen Vertreter des "Wellenkalk"-Horizonts.

Der "Wellenkalk" zeigt sich vorwiegend in der Form von diesen hellgrauen Kalksteinen. Sie haben eine unregelmäßige, wulstige und löchrige Oberfläche.

Wulstig, löchrig, unregelmäßig geformt, leicht gerundet und hellgrau, weil in der Sonne ausgebleicht - der "Wellenkalk".

Die hellgrauen Kalksteine des "Wellenkalks" lassen sich leicht zerschlagen. Das Innere des Steins zeigt sich unausgebleicht etwas dunkler, mit graublauen und gelblichen Flecken.

100 m nach der Streuobstwiese führt ein Wiesenweg nach rechts ins

STATION 7: Ein Wiesenweg führt durch die locker stehenden Kiefern. Bevor sich der Weg in einen "Unteren und Oberen Weg" teilt, reichen Ackerflächen an den Weg heran. Hier liegen große flache Dolomitplatten.

summer look - Naturschutzgebiet (6 Bilder)

Am Ackerrand liegen so viele von diesen Platten, dass -ausnahmsweise - im Nu ein Turm gebaut ist. Und im Nu auch wieder weggeräumt. Der Turm dient der Anschauung, nicht der Nachahmung. Also, bitte nicht bauen! Die Platten gehören in den unteren Mittleren Muschelkalk.

 

Wer hier kurz in den Sommer schauen will, tue das unter

summer look - Naturschutzgebiet (6 Bilder)

Der Wanderweg teilt sich. Zwischen den beiden Wegen liegen versteckt im Unterholz die Mauerreste einer Segelfluganlage. Die Betonmauern sind löchrig ausgewittert. Aber in den Löchern und Hohlformen bleibt das Niederschlagswasser lange stehen, so dass Moos gute Wachstumsbedingungen hat. Moos produziert viel Sauerstoff. So sind die Mauern nicht überwältigend, wohl aber die sauerstoffreiche Luft!

STATION 8: Wer auf dem oberen Wiesenweg den Kiefernhain verlässt, trifft auf Äcker, die im unteren Mittleren Muschelkalk liegen. Man sieht Dolomitsteine in unterschiedlichen Gelbtönen. Je mehr Brauneisenerz (Limonit) im Stein ist, desto gelber oder rostfarbener wirkt er.

summer look - bei den Dolomitsteinen (6 Bilder)

Manche Dolomitsteine sind flach und wirken innen stumpf. Andere glitzern kristallin und sind an der Oberfläche rauer und gröber.

Die Dolomitsteine enthalten reichlich Calcit (Kalkspat) in Drusen, als Belag oder in Adern, die den Stein durchziehen. Calcit-Kristalle glitzern in der Sonne. Der Stein ganz links zeigt unter dem Mikroskop eine hübsche Druse mit Calcit-Kristallen:

STATION 9: Wer auf dem unteren Wiesenweg den Kiefernhain verlässt, trifft auf Ackerflächen, die an der Grenze von Unterem zum Mittleren Muschelkalk liegen. Dunkle flache Steine fallen auf. Es sind bituminöse Kalksteine, die beim Zerschlagen schiefrig zerfallen.

Die schiefrigen Kalksteine sind innen ziemlich dunkel, weil sie viel Bitumen (ölartige Substanzen) enthalten. Bitumen färbt zusammen mit Pyrit-Teilchen den Kalkstein dunkel. Sonnenlicht zerstört das Bitumen. Der Stein bleicht aus. Die Steinoberfläche wird dadurch heller. Der Stein bekommt eine hauchdünne, helle, manchmal fast weiße "Rinde".

Inmitten des dunklen schiefrigen Kalksteins liegen aber auch kleine gelbe Dolomitsteine, die aus dem Mittleren Muschelkalk herabgwandert sind. Für die Wanderung kann jeder Regenguss sorgen.

Der Hochbehälter ist nicht zu übersehen. Seit 1972 versorgt er Mühlhausen mit Wasser, seit 1994 mit einer Mischung aus Eigenwasser und Bodenseewasser.  An einer Seite steht diese Planeten-Tafel. Sie gehört zu einem Planeten-Wanderweg, der in Weil der Stadt beginnt.

Den Johannes-Kepler-Planeten-Weg gibt es seit 2012. Der Wanderweg ist rund 24 km lang. Er beginnt an der Sonnentafel in der Pfarrgasse von Weil der Stadt. Weitere Informationen bietet das Internet!

STATION 10: Nach dem Hochbehälter führt ein landwirtschaftlicher Weg nach rechts wieder hinüber zu den Streuobstwiesen. Hier liegen die Äcker wieder im "Wellenkalk". In dieser Kalkschicht gibt es einen Gesteinshorizont mit Muschelschill. Die Schillkalk-Scherben sind hier gelegentlich zu sehen:

Nachdem am Hochbehälter von Mühlhausen die Geologie und die Astronomie auf einer kurzen Wegstrecke vereint sind, ist es natürlich denkbar, einen kleinen Umweg zur Uranus-Tafel zu machen:

Silberberg im Februar
Silberberg im Juni

Am Hochbehälter bietet sich übrigens ein guter Blick auf das bewaldete Naturschutzgebiet "Silberberg". Auch dort kann man geologisch wandern:

 

Tiefenbronn-Mühlhausen - Mannigfach Muschelkalk (2)