Hohenwart - Bauten, Boden, Buntsandstein 

Hohenwart ist ein Teilort von Pforzheim. Ein Aussichtsturm auf der Hohen Warte am südlichen Rand von Hohenwart lockt zum Besteigen. Das Besteigen lohnt sich wirklich, kostet wirklich nichts und ist bei einem Gewitter wirklich nicht zu empfehlen. Der Turm bietet Bestes für Besucher und Blitze. Meistens ist aber das Wetter gut und die Aussicht noch besser. Und die Aussichten, ein bisschen Geologie zu erleben, sind ebenfalls gut, dafür steht symbolisch im Vordergrund der Turm aus  plattem Plattensandstein. Diese Steine gibt es am Turm haufenweise.

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Die etwa dreistündige Rundwanderung beginnt im Ort an der Heilig-Kreuz-Kirche, die auf der folgenden Karte mit "K" eingezeichnet ist. Die Wallfahrtskirche wurde aus Buntsandstein erbaut, dem örtlichen Gestein.

 

Eine Tafel am Eingang informiert über die Geschichte der Kirche. Nach der Kartenskizze lässt sich weiter unten ein historischer Blick darauf werfen.

 

Ein geologischer Blick geht dann noch auf die Mauer links unten im Bild und auf die Treppe.

Nach dem kurzen Aufenthalt an der Heilig-Kreuz-Kirche "K" in Hohenwart verlassen wir den Ort über die Ermland-

straße "E". Zuerst der Hecke entlang, dann durch die Hecke geht es hinüber zum Baum "B" an der Straße nach Unter-

reichenbach.

Am Baum beginnt der Haldenweg "weißes H", der an der Manganstelle "lila M" und dem Senderturm "S" vorbei zur Zettelwaldhütte "schwarzes H" führt. Dort geht es weiter auf dem Leuchtertannenweg "L" am Gedenkstein "G" vorbei bis zum Oberen Klebweg "OK". Hier erfolgt ein kurzer Abstecher zur Karneolstelle "lila K". Danach geht es zurück zum Leuchtertannenweg "L" mit viel Tigersandstein "lila T" bis zum Mittleren Klebweg "MK". Dort Aufstieg zur Kreisstraße K 9804. Sie wird überquert, und über den Hofackerweg "Ho" wird der Hohenwarter Aussichtsturm "T" erreicht, der auf Plattensandstein "P" steht. Von dort zurück nach Hohenwart.

Der historische Blick auf die Kirche...

Die Stützmauer an der Heilig-Kreuz-Kirche zeigt den Buntsandstein in zwei verschiedenen Ausprägungen: auf der Mauer liegen die platten Platten des Plattensandsteins, in der Mauer ist der getüpfelte Tigersandstein verbaut. 

Der geologische Blick auf die Mauer an der Kirche...

MAUERSTEINE: Links ein Blick auf die Mauer mit einheitlich rötlichem Plattensandstein aus dem Oberen Buntsandstein; dünne Schichten platzen ab, weil Glimmerplättchen eingelagert sind. Rechts ein Stein in der Mauer, ein getüpfelter Tigersandstein aus dem Mittleren Buntsandstein. Steine aus dem Unteren Buntsandstein gibt es in Hohenwart nicht. Dazu müsste man ganz hinunter zur Nagold steigen.

WALDBODENSTEINE: Links ein Plattensandstein aus dem nahen Wald, der wegen der Glimmerplättchen treppenstufig verwittert; die Glimmerplättchen sind als silbrige Pünktchen zu sehen. Rechts ein Tigersandstein mit seinen Tüpfeln aus Mangan-Eisen-Oxiden.

Am Eingang zur Heilig-Kreuz-Kirche zeigt die oberste Treppenstufe etwas Typisches im Buntsandstein, nämlich die Kreuzschichtung. Dieser Buntsandstein entstand aus sandigen Flussablagerungen in einem Deltagebiet, in dem sich ständig Wasserverlauf und Sandablagerungen veränderten, was zur Kreuzschichtung führte.

Der Buntsandstein besteht aus harten Quarzkörnern, die nicht so leicht verwittern. In den Rillen sind weichere Glimmerteilchen oder weicheres Eisenerz eingelagert, die der Verwitterung nicht so viel Widerstand bieten wie der Quarz, was die feinen Rillen erzeugt.

Hohlweg und Ermlandstraße (auf der Karte "E") bringen uns aus dem Ort in Richtung Nagoldtal. Der Weg führt über Streuobstwiesen an einer Hecke entlang. In einer Heckenlücke geht dann ein Trampelpfad nach rechts ab zu dem einzeln stehenden Baum "B" an der Straße nach Unterreichenbach. Entlang der Wege gibt es immer wieder grasfreie Flächen, die einen Blick auf den Boden unter dem Gras erlauben. 

Die Blüten sind in den Boden hineingesteckt. Viele Wildblumen wachsen hier im Laufe des Jahres. Auch dafür lohnt sich die Wanderung!

Der Boden ist hier krümelig, tonig-sandig und leicht rötlich. Ein solcher Boden entsteht, wenn der Plattensandstein verwittert. Ton verklebt die einzelnen Quarzkörner im Sandstein. Verwittert der Sandstein, wird der Ton freigesetzt. Die Quarzkörner werden zu Sand. Es entsteht ein sandig-toniger Boden, der einen bescheidenen Ackerbau ermöglicht. Das wiederum war die Voraussetzung für die Rodungsinsel Hohenwart. Beim Tigersandstein verklebt Quarz die Quarzkörner. Bei der Verwitterung entsteht nur Sand. Ackerbau und Rodung auf reinem Sand hätte es nicht gegeben. 

Auf einem flachen Metalldeckel liegt krümeliger Plattensandstein-Boden. Auf diesen sandig-tonigen Boden wird Wasser geschüttet. Der Deckel wird leicht geneigt, das Wasser fließt und schwemmt den Ton als rotbraune Schlammbrühe aus dem Boden heraus. Die Schlammbrühe trocknet langsam ein. Das Kneten von Ton-Figuren kann beginnen.

Über Ermlandstraße und Heckenlücke erreichen wir den Baum "B" an der Straße nach Unterreichenbach. Hier beginnt der Haldenweg "H".

Durch die Zweige des einzeln stehenden Baums sieht man in der Ferne den Hohenwarter Aussichtsturm.

Wir wandern weiter. Der Haldenweg bringt uns zum Waldrand, zum Rand der Rodungsinsel Hohenwart. Sobald der Weg im Wald verläuft, gibt es vor allem rechts vom Weg zweierlei zu sehen:

         1. Baumstümpfe mit schräg angehobenen Wurzeltellern

         2. Schmutzig-schwarze Plattensandsteine 

Dieser Baumstumpf mit dem gekippten Wurzelteller wurde ein Opfer des Orkans "Lothar". Der Orkan wütete an Weihnachten 1999 in Süddeutschland. Wie anderswo richtete er auch in Hohenwart große Schäden an.

Der Schadensumfang hat an erster Stelle etwas mit der Windstärke zu tun, aber an zweiter Stelle auch etwas mit dem Plattensandstein, in dem die Bäume hier wurzeln. Die Sandkörner im Stein werden durch Ton zusammengehalten. Ton ist ewas Weiches. Der Plattensandstein ist ein weiches Gestein. Ein Schlag mit dem Hammer, und der Stein zerbricht. Er zerbricht aber auch leicht, wenn Baumwurzeln in ihn hineinwachsen und dicker werden. Mit der Zeit steht der Baum in lauter zerbrochenen, sandig zerfallenden, locker liegenden Sandsteinstücken. 

War dann der Baum ein Flachwurzler, viele Bäume waren es, wurde er schnell Lothars leichte Beute.

 

Windstärke + Plattensandstein = besonders hohe Schäden in Hohenwart

Neben Lothars Opfern, den schräg liegenden Baumstümpfen, fallen die vielen Plattensandsteine auf, die ganz schwarz oder schwarzfleckig sind. Das Schwarze ist kein Schmutz, sondern Manganoxid, schwarz, manchmal auch dunkelblau. 

Auf der Karte ist die Stelle mit besonders vielen schwarzen Steinen als "lila M" gekennzeichnet. Im Februar gibt es neben schwarzem Manganoxid auch weiße Frühlingsboten.  

Einige der schwarzen Steine liegen, vom Hammer zerschlagen, mit ihrem bunten Innenleben in der Mitte.

Das Manganoxid zeigt sich krustig, fleckig, punkt- und sternförmig, auch dendritisch mit baum-und pflanzenartigen Strukturen auf absolut ebenplattigen Sandsteinen. 

Der Plattensandstein an der Stelle "lila M" ist schwarz, grau, schmutzig braun, schlichtweg hässlich. Kein Stein zum Sammeln! Es sei denn...

Es sei denn, man hat einen Hammer dabei, Handschuhe und Augenschutz, um die hässlichen Steine zu zerschlagen. Welche Vielfalt an Farben und Mustern doch in den Steinen steckt! Es ist Buntsandstein, und man könnte Farbtöne und Muster sammeln!

Plattensandsteine

an der Stelle "M"

mit schwarzem

Manganoxid und

gelblichem

Limonit oder

Brauneisenerz

in Bändern,

Schlieren

und Adern.

Der Haldenweg führt direkt am Senderturm vorbei bis hinunter zur Zettelwaldhütte "schwarzes H". 

An der Zettelwaldhütte erreicht man den Leuchtertannenweg, dem wir nach Westen folgen. Er führt an der Gemarkungsgrenze von Hohenwart entlang, die mit überraschend vielen Grenzsteinen "G" bestückt ist. Am weißen Punkt im Hintergrund steht der Gedenkstein "G" für den Forstwart, der an dieser Stelle nach 40 Dienstjahren im Dienst verstarb.

Immer wieder taucht auf der rechten Seite des Leuchtertannenwegs ein Grenzstein auf, bis dann die Grenze im scharfen Winkel den Waldweg verlässt, wie im Foto ganz rechts und ganz grün gezeigt.

Kurz darauf kommen wir an einem Gedenkstein vorbei,  "G" auf der Karte. Er erinnert an den Tod eines Forstwarts, der nach 40 staatlichen Dienstjahren an dieser Stelle im Dienst verstarb.

Wenige Schritte weiter erreichen wir die Waldwegkreuzung Leuchtertannenweg/ Oberer Klebweg "L/OK". Die Steine, die hier auf dem Weg und auf der Böschung liegen, gehören in den Mittleren Buntsandstein. Am häufigsten vertreten ist der Tigersandstein.

 

Plattensandsteine des Oberen Buntsandsteins gibt es wohl, aber sie sind von weiter oben am Hang heruntergerutscht und an dieser Stelle fremd. Im Übergangsbereich zwischen Plattensandstein und Tigersandstein taucht der Karneol auf, das Mineral Jaspis. 

Geologisch Karneol genannt, mineralogisch ein Jaspis, diese Steine zu finden, ist etwas Besonderes. Dafür geht es nun ab Leuchtertannenweg 300 normale Wanderschritte den Oberen Klebweg hinab. Die Karneolstelle liegt in eine S-Kurve des Wegs, rechtes Bild, und ist etwa 100 weitere Schritte lang. Der Obere Klebweg quert hier den so genannten "Karneol-Dolomit-Horizont", die oberste Gesteinsschicht im Mittleren Buntsandstein.

Der Karneol-Dolomit-Horizont ist kein durchgehendes Gesteinsband. Vielmehr liegt in einer mürben, lockeren, oft violettfarbenen Sandsteinschicht da und dort ein fleischfarbenes, rötliches Karneolsteinchen (ein Jaspis). Wie sich das Ganze auf dem Oberen Klebweg in Augenhöhe zeigt, verdeutlicht die folgende Bilderfolge. Man muss schon genau hinsehen: 

Es gibt unzählige Karneolstellen im Nordschwarzwald. So wie sich der Karneolhorizont am Oberen Klebweg, auf einem Waldweg, zeigt, ist es das typische Bild. Mehr ist nicht zu erwarten. Der Reiz liegt im Finden, nicht im Mitnehmen der Steine! Wir sind auf einem öffentlichen Weg.

Rechts zwei geputzte Karneole, fleischfarben-rötlich und klein in Bezug auf die Münze. Der Buntsandstein ist in der Karneolschicht häufig violett mit Mangan-Eisen-Oxid-Flecken. Die Karneolschicht verrät sich auch durch die Farbe des Waldbodens. Der normale Waldboden ist dunkelbraun. In ihm steckt der Zweig im linken Bild. Der Boden im Karneol-Bereich ist deutlich rot gefärbt, so wie hinter dem Zweig.

Von der Karneolstelle geht es wieder hinauf zur Waldwegkreuzung Leuchtertannenweg/ Oberer Klebweg "L/ OK". Wir setzen die Wanderung auf dem Leuchtertannenweg fort. Waldweg und Böschung sind voller Steine, vorherrschend ist der Tigersandstein "T". "MK" - Mittlerer Klebweg.

Tigersandstein am Leuchtertannenweg mit gelben Brauneisenerz-, rötlichen Hämatit- und dunkelbraunen Manganoxid-Tüpfeln. Nähere Erklärungen dazu unter "Steinbilder"! 

Nachdem der Tiger nicht getüpfelt ist, liest man heute für "Tigersandstein" oft nur "Sandstein mit Flecken". Die abgebildeten Steine sind vom Leuchtertannenweg.

Auch recht häufig am Leuchtertannenweg: ein Buntsandstein mit braunen Tonsteingeröllen, schwarzem Manganoxid, gelbem Brauneisenerz in einer weiß-rosa gepunkteten, sehr harten Gesteinsgrundmasse. Die Tonsteingerölle, die "Tongallen" sind weich, verwittern schnell und hinterlassen große und kleine Löcher auf dem Stein. Er gehört auch zum Mittleren Buntsandstein.

Der Leuchtertannenweg "L" trifft auf den Mittleren Klebweg "MK". Kurz danach führt ein Pflad im Zickzack hoch zur Straße Hohenwart-Unterreichenbach. Die K 9804 wird überquert, und über den Hofackerweg "Ho" geht es hinauf zum Hohenwarter Aussichtsturm "T". Rings um den Turm liegt sehr viel Plattensandstein "P". "Es" ist der Eselsweg, der vom Parkplatz "P" zum Turm hochführt. Auch von hier aus kann man die Rundwanderung machen.

Hohenwarter Aussichtsturm, zur Erinnerung an den Orkan "Lothar" errichtet.

Der Platz, auf dem der Turm steht, ist mit großen Sandsteinblöcken begrenzt, die aus dem Oberen Geröllhorizont des  Mittleren Buntsandsteins stammen. In diesen grobkörnigen Sandstein sind Gerölle eingestreut. Die meisten Gerölle sind helle Milchquarze. Die Sandkörner des Sandsteins sind ebenfalls Quarze. Auch das Bindemittel, das die Sandkörner aneinander kleben lässt, ist Quarz. Quarz, Quarz, Quarz - das macht den Stein sehr hart und widerstandsfähig gegen Verwitterung.- Der Felsbrocken zeigt Kreuzschichtung.

Bei diesem Felsbrocken an der Sitzbank geht die Kamera immer näher an die Münze heran, um die Verwitterung zu zeigen: Der Quarz ist hart, aber auch er verwittert. Alle Quarzkörner werden kleiner, das kleine Sandkorn und das große Geröll. Kleine Sandkörner um ein Geröll herum lösen sich dabei auf. Oder sie fallen als Sand ab, weil sich das Bindemittel aufgelöst hat.

Das viel größere Geröll schrumpft nur und wird aus der Steinoberfläche herausmodelliert. Dann sieht der Felsbrocken wie oben rechts pockennarbig aus.

Haben Sie die Pockennarben gesehen? Haben Sie sich auf einer Bank ausgeruht? Sind Sie auf den Turm gestiegen? Dann beenden wir jetzt die lange Tour mit der kurzen Strecke vom Turm zurück nach Hohenwart. Eine kleine Frage bleibt zum Schluss: Sind Ihnen die auffällig vielen Stechpalmen entlang der Strecke aufgefallen?  

Ein letzter Blick auf den Turm. Diesmal mit Osterschmuck!