Eutingen - den Rennbach umrunden

Der Rennbach ist ein Bächlein, ein Rinnsal,

ein feuchter Straßengraben,

den die Eutinger

im Westen haben.

Am Ortsrand verdohlt,

ist es dem Bach nicht gestattet,

durch den Ort zu fließen,

um sich oberirdisch

in die Enz zu ergießen.

Bei einem festen

Regenguss im Westen,

ist er vielleicht von Gefahr

und ein Kellerfluter,

aber meistens im Jahr

ist er ein Guter.

Am Unterlauf ließ er Tal und Hang

mit Wald entstehen,

am Oberlauf ist er im Straßengraben

kaum zu sehen.

 

Foto oben: Hang und Wald: links in der Collage,

Straßengraben-Bach: blauer Strich in der Montage.

Kartenskizze: Wanderroute gelb gepunktet. Zehn gelbe Zwischenstopps.-  P - Parkplatz am Friedhof. Gelbes G - alte Grenzsteine. H - Haydnstr., B - Beethovenstr., R - Rennbachweg, S - Steinenlandstr., wo bei der gelben 1 der Untere Wingertweg anfängt.

Die Wanderstrecke beginnt wegen des günstigen Parkens am Friedhof, Krumme Steige. Das erste Etappenziel ist die Straßenecke Steinenlandstraße/ Unterer Wingertweg. Es gibt kürzere Wege dorthin, aber auf der gepunkteten Route gibt es keine Treppen.

Zwischenstopp 1: Wir werfen einen kurzen Blick auf den Hang am Beginn des Unteren Wingertwegs. Er ist mit Mergelstückchen bedeckt. Der Mergel, eine Mischung aus Ton und Kalk, ist gelblich, weich mit runden Formen und kleingestückelt.  

Wegen der vielen rundlichen, wurstähnlichen Steinchen spricht man vom Wurstelmergel. Er gehört in den Unteren Muschelkalk.

Zwischenstopp 2: 200 Schritte bergauf sind wir mitten im Hangwald. Am Hang taucht die nächsthöhere Gesteinsschicht auf, der Wellenkalk im Unteren Muschelkalk. 

Die dünnen welligen Schichten des Wellenkalks sind deutlich zu sehen.

Wellenkalk

Zwischenstopp 3: im Hangwald weiter bergauf, in der letzten Linkskurve: Der Untere Muschelkalk wartet noch mit einer dritten Gesteinsschicht auf: Hang und Wegrand sind mit vielen ebenflächigen Kalkscherben bedeckt. Das Gestein verwittert flach und schiefrig dünn.  

Im Nu sind die flachen Kalkscherben um das Boden-Efeu ausgelegt und arrangiert.

Zusammenfassend: Diese drei unterschiedlichen Muschelkalkgesteine sind am Unteren Wingertweg zu sehen - kleinstückig, wellig, schiefrig-platt.

Wenige Schritte weiter beginnt rechts die lange Hecke um den Wartberghof. Der Anstieg durch den Rennbach-Hangwald ist geschafft. Auf gerader Strecke geht es zügig weiter bis zur ersten Wegeinmündung, der Wartbergallee. Wir biegen in die Wartbergallee ein. Die Hecke bleibt an unserer rechten Seite. Die Drähte einer Stromleitung werden unterquert und kurz darauf ein Querweg von rechts erreicht. Nach links öffnet sich der Blick übers Enztal hinweg zum Mäuerach und zur Hagenschieß-Siedlung.

Zwischenstopp 4: An der Einmündung des Querwegs sind wir an der Doppel-Dolomitstein-Ecke. Ist die Ackerfläche getreidefrei, lassen sich bei genauem Hinsehen zwei verschiedenartige Dolomitsteine entdecken. Dafür muss man den Acker nicht betreten! Beides sind magnesiumhaltige Steine, die gelblich verwittern. 

Der eine Dolomitstein ist platt und flach.

Der andere Dolomitstein sieht knollig und löchrig aus. Er enthält das weiße Mineral Calcit oder Kalkspat.

Ein letzter Blick auf Pforzheim-Mäuerach, und es geht an der Hecke weiter. Wenn man die Steine auf dem Acker lässt, bleibt das Wandergepäck sicher unter zwei Tonnen.

Zwischenstopp 5: Wir folgen der Hecke, bis sie am Oberlauf des Rennbachs - blaues R - aufhört. Die Talhänge sind sehr flach. Der Rennbach fließt, wenn er fließt, an der tiefsten Stelle. Zweimal weißes H im schwarz gekenntzeichneten Feld: Rechts und links begleitet eine Hornsteinschicht von 25 m Breite den Straßengraben-Rennbach.  Der Abstand zwischen Bach und Schicht beträgt etwa 4 m. Zahlreiche Hornsteine liegen auf dem Acker. Dort, wo das Hornsteinband auf den Wanderweg trifft, kann man sie vom Weg aus gut sehen. Die Ackerflächen bitte nicht betreten! Meistens ist etwas angebaut!

Zwischenstopp 6: Die beste Sicht auf die Hornsteine ist am Eichenwäldchen, insbesondere, wenn es kurz vorher geregnet hat. Auch wenn Getreide steht, sind die dunklen Hornsteine am Wegrand zu sehen. 

Die Hornsteine am Eichenwäldchen liegen direkt am Weg. 

Zwischen hunderten von Hornsteinen liegt ab und zu ein hellblaugrauer Hornstein, der hier mit Chalcedon bezeichnet wird. 

Hornstein und Chalcedon sind so hart, dass sie zu Schmuck verarbeitet werden können. Alle Schmucksteine im Bild oben waren einmal Ackersteine. Der Weg vom einzelnen Ackerstein zum Unikat-Schmuck mit Kette war im Jahr 2012 mit rund 100 Euro gepflastert! Die abgebildeten Steine stammen von ähnlich bestückten Äckern in Eutingen-Gruegstatt, Niefern, Niebelsbach und Birkenfeld.

Viele Hornsteine sind mit eiförmigen Quarz- und Chalcedon-Gebilden durchsetzt und damit "Eiersteine". Der hellblaugraue Chalcedon ganz rechts hat diese Gebilde nicht. Um sie deutlich zu sehen, braucht man ein Mikroskop. Ausführliche Informationen zu den Hornsteinen gibt es unter "Steinbilder".

Am unteren Ende des Eichenwäldchens mit Rennbach im August
Das Eichenwäldchen mit dem Hornstein-Acker davor. Zwischen Wald und Acker verläuft der Wanderweg.

Zwischenstopp 7: Wir wandern am Eichenwäldchen entlang und lassen die Hornsteinschicht hinter uns. Die Ackerflur ist jetzt großflächig mit Lösslehm bedeckt. Es gibt keine Steine mehr. Eine Ausnahme ist am nördlichen Ende des Eichenwäldchens beim Strommasten zu sehen. Hier liegen die groben gelben Brocken des Zellendolomits auf dem Acker, der Gesteinsschicht, die über der Hornsteinschicht liegt.

Zwischenstopp 8: Im weiteren Verlauf der Wanderung sind die Ackerflächen mit Lösslehm bedeckt und damit steinlos. Nicht selten liegt am Ackerrand Obst der angrenzenden Streuobstwiesen auf dem Lösslehm.

Der Löss ist das weichste Gestein unserer Gegend und enthält viele Kalk- und wenige Tonteilchen. Der Regen entkalkt den Löss mit der Zeit. Die Kalkteilchen nehmen im Boden ab, die Tonteilchen reichern sich an, und das Ganze wird zum Lösslehm. Der Lösslehm ist hier nicht völlig entkalkt, denn er reagiert noch leicht aufschäumend bei einem Tropfen Salzsäure. 

Es geht unter den Drähten der Stromleitung durch, zurück in Richtung Eutingen. 150m nach der Stromleitung überqueren wir die alte Gemarkungsgrenze zwischen Pforzheim und Eutingen, hier rot eingezeichnet. Zu beiden Seiten des Wegs sind Grenzsteine zu sehen, aber nicht zugänglich. Einer stammt  aus dem Jahr 1569. Der andere, der hier abgebildete Grenzstein von 1833, steht nur in dieser Collage direkt am Weg! In Wirklichkeit ist er der braun-weiße Punkt über dem roten Pfeil. GP - Gemeinde Pforzheim, darunter das badische Wappen mit dem Schrägbalken.

Zwischenstopp 9: Nach zehn Minuten über die Feldwege in östlicher Richtung erreichen wir die Gruegstatt am Gruegstattweg in Eutingen. Ein Klick aufs Bild vergrößert die Erklärung auf dem Stein.

Rund um die Gruegstatt besteht der Untergrund aus den Gesteinen des Mittleren Muschelkalks. Ein typisches Gestein des Mittleren Muschelkalks ist der Zellendolomit. Das löchrige Gestein ist ein Kalzium-Magnesium-Karbonat. Der Zellendolomit zeigt sich an der Gruegstatt mal orangefarben-gelb, wenn er viel Eisen enthält, mal eher hellgrau mit weniger Eisen und einem höheren Kalzium-Anteil.

Bei der Gruegstatt sind die Äcker steinreich. Zwar sehen die Steine auf dem Bild von fern alle gelblich aus, trotzdem ist ein Großteil der Buntheit des folgenden Bildes vom Ackerrand aus zu sehen, insbesondere nach einem Regentag. Wenn es regnet, sehen sie auch alle gleich graugelblich aus, bei Schnee weiß!

1 Hornstein, 2 Buntsandstein, 3 Dolomitstein mit Calcit und Calcitdrusen, 4 Tonmergelstein, 5 Chalcedon, 6 Sandiger Dolomitstein, 7 Blaukalk/ Muschelkalk, 8 Kalksteinbreccie, 9 Muschelkalk, 10 Blaukalk mit Calcitschicht

An der Gruegstatt gibt es keinen Lösslehm, der den Untergrund verdeckt. Der steinerne Untergrund wird vom Pflug erreicht und aufgewühlt, so dass die Äcker auffallend steinreich sind. Dabei wird nicht nur Zellendolomit hochgepflügt. Der Untergrund liefert eine Vielzahl an unterschiedlichen Steinen, die in ihrer Buntheit verblüffen. Ohne die Äcker zu betreten, lässt sich das die eine oder andere Farbe von den Wegen aus beobachten. Vorzugsweise im vegetationsarmen Winterhalbjahr und nach einem Regenguss, der den grauen Staub von den Steinen nimmt. Manche Farbe wird freilich erst durch einem Hammerschlag offenbar.

Und dann gibt es an der Gruegstatt noch die zwei Dutzend aufgestellten Steine, die vermutlich wildes Parken verhindern sollen. Auch sie sind eines Blickes würdig:

Buntsandstein mit einer Harnischfläche, an der ein anderer Buntsandstein entlang geschrammt ist und parallele Kratzspuren hinterließ.
"Feldspat, Quarz und Glimmer, die vergess´ ich nimmer" - dieser Spruch gehört zum Granit. Der Quarz ist grau, der Glimmer schwarz und der Feldspat hier rötlich. Der Feldspat spiegelt in der Sonne.
Bei einem Sandstein gibt es ein "mit dem Lager" (ursprüngliche Ablagerungsfläche) und ein "gegen das Lager" (mit Spalten). Der Stein ist "gegen das Lager" hingestellt, aber der Fliege ist das egal.
Kein Granit. Es gibt keinen dunklen Granit. Vermutlich ein Gabbro mit weißem Feldspat.

Das letzte Teilstück der Wanderung liegt vor uns. Von der Gruegstatt führt die Krumme Steige bei geringem Gefälle in wenigen Minuten direkt zum Parkplatz und Ausgangspunkt der Rundwanderung.

Zum Parkplatz hin teilt sich die Krumme Steige vorübergehend in zwei Wege. Der obere ist nicht asphaltiert. Wer ihn benützt und da und dort kurz innehält, kann noch schnell zwei Dinge beobachten:

Zwischenstopp 10: Auf dem oberen Weg tritt man auf die unterschiedlichsten Steine. Da gibt es, wie im linken Bild, den blaugrauen Blaukalk als Muschelkalkschotter, gelb angewitterte Dolomitsteine und rotbraunen Buntsandstein, der in seinen runden Formen wohl tertiäres Urenz-Geröll ist. Zwischen diesen Steinen liegt da und dort fladenförmig und großflächig der Wellenkalk, wie im rechten Bild zu sehen ist.

 

Und kurz darauf ist das eigenen Auto auf dem Parkplatz zu sehen.