Pforzheimer Stinkquarz 2

Pforzheimer Stinkquarz-Cluster auf einer 1-Cent-Münze - recht groß!          Ein Cluster ist eine Häufung von einzelnen Kristallen, die sich dicht an dicht auf einem Stein gebildet haben und als ein Ganzes wirken. Bei einer begrenzten Materialmasse blieben alle Kristalle klein. Außerdem haben sie sich gegenseitig beim Wachsen gestört und wirken wie zusammengebacken.

Eine der bekanntesten Fundstellen für Pforzheimer Stinkquarze waren einmal die Felder ("Schleifäcker") am Bildweg/Am Eichof in Öschelbronn. Aber schon vor Jahrzehnten stand in jedem Artikel über diese Fundstelle, dass sie inzwischen abgesucht sei. Dem war auch so.

Derselbe Cluster wie oben - auch auf Rückseite gut bestückt!

Manchmal wird aber auch in dieser Ecke von Niefern-Öschelbronn gebaut. Eine Baugrube tut sich für wenige Wochen auf und zufällig wird auch die Schicht mit den Pforzheimer Stinkquarzen freigelegt. Dann lassen sich ein paar Funde machen und ein paar Erkenntnisse gewinnen, bevor der Bagger wieder anrückt, um Erde darüber zu schieben und eine interessante Baugrube wieder aufzufüllen. Oder das Fundament eines neuen Gebäudes eben in dieser Grube stoppt für immer das Suchen.

Diese Pforzheimer Stinkquarze erreichen gerade eben die Größe von einer 1-Cent-Münze, aber sie sind gut ausgebildet, und alle sind Doppelender.

In diesem Fall war der Bagger am Werk. So gibt es zurzeit am Bildweg/Am Eichof nichts mehr zu finden. Aber vom Finden und von den Funden lässt sich hier ein bisschen was berichten:

 

1. Die Stelle ist mit Recht in die Literatur eingegangen. Sie ist wirklich stinkquarzreich. In den ersten Tagen ließen sich auf der frisch freigelegten Fläche viele Quarze leicht einsammeln. Für die letzten Tage galt allerdings dann auch: Die Fundstelle war abgesucht.

 

2. Eine deutliche Schicht, ein klarer Gesteinshorizont mit vielen Stinkquarzen war nicht feststellbar. Es war aber zu beobachten, dass die Quarze unter der Schicht des Zellendolomits weitaus häufiger zu finden waren als im Zellendolomit selber (oberer Mittlerer Muschelkalk, Diemel-Formation).

Diese Stinkquarze, diese Kristalle sind größer als die 1-Cent-Münze.

3. Auf 30 kleine Stinkquarze kam ein etwas größerer. Die größeren Quarzkristalle waren oft kaputt und braungrau fleckig. Die kleineren Kristalle zeigten sich oft sehr gut ausgebildet und gleichmäßig dunkelbaun bis schwarz. Doppelender gab es häufig.

Drei Stinkquarz-Cluster und eine 1-Cent-Münze, die man fürs Foto ruhig hätte umdrehen können.

4. Gar nicht so selten konnten Quarz-Cluster eingesammelt werden. Die Münzen helfen, die Größe der Stinkquarze und Stinkquarz-Cluster abzuschätzen.

Ein weiterer Cluster auf der jetzt schon bekannten 1-Cent-Münze.

Liegt der Cluster auf weißem Papier, sehen die Kristalle eher schwarz als  dunkelbraun aus. Auf schwarzem Papier wie oben wirken sie in Umbra farbechter. Beachtenswert ist die Vielzahl an Kristallspitzen, insbesondere auch am rechten Rand des Steins.

5. Ab und zu tauchten graue Steine auf, in denen die Stinkquarze noch steckten: Quarzkristalle in ihrer Matrix.

Dunkelbraune Stinkquarz-Kristalle in der Matrix oder Löcher, in denen Kristalle steckten.

6. Die Pforzheimer Stinkquarze waren immer begleitet von kleinen schwarzen Hornsteinen oder blaugrauen Chalcedonstückchen. Die ganze Erdschicht zeigte eine unruhige Lagerung, ein gewisses Durcheinander an Steinen, Steinchen, Mineralresten, Lehm und lockerem Erdboden.

 

Diemel-Formation - die obersten Lagen des Mittleren Muschelkalks mit ausgelaugten zelligen Dolomiten und weißen Calcit-Einlagerungen, mit Knollenresten von Hornsteinen und Chalcedon, dazu die Stinkquarze - ja!

Diemel-Formation - in der ursprünglichen Lage, Schichtung oder Ablagerung - nein! Erdbewegungen, Hangrutschungen oder schlichtweg der Pflug haben hier Gesteine in Bewegung gesetzt und durchmischt.

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Zum Schluss ein paar Fragen für diejenigen, die ihren Spaß daran haben oder die echte knallharte Herausforderung suchen:

Dieses Foto dient der spielerischen Wiederholung! Die Aufgaben dazu in Blau!

1. Aufgabe: Die Münze dient dem Größenvergleich. Welcher Münzwert darf hier dienen?

 

2. Aufgabe: Um welche Nummer scharen sich die kleinen Stinkquarze?

 

3. Aufgabe: Die großen Stinkquarze gesellen sich um die Nr. 4. Wie viele von den großen Stinkquarzen sind keine Doppelender?

 

4. Aufgabe: Welcher Nummer, welchen Nummern könnte man das Wort "Matrix" zuordnen?

 

5. Aufgabe: Welches Stichwort, welcher Begriff passt?

 

a. Der obereste Gesteinshorizont des Mittleren Muschelkalks:

b. Eine Häufung von einzelnen Kristallen, die als ein Ganzes auf den         Betrachter wirkt:

c. Das natürliche Gestein, in dem ein Pforzheimer Stinkquarz                    eingebettet ist:

d. Die schwarzen Steinchen, Reste von Kieselknollen, die mit                  den Stinkquarzen im Boden stecken:

e. Das weiße Mineral, das im Zellendolomit zu finden ist:

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Lösungen: 1. eine 50-Cent-Münze, 2. Nr. 3 für die Kleinen, 3. zwei sind keine Doppelender, 4. insbesondere Nr. 1, aber auch Nr. 2 und 5,

5a. Diemel-Formation, 5b. Cluster, 5c. Matrix, 5d. Hornstein, 5e. Calcit

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7. Noch ein paar Bilder, die die Größe der Stinkquarze verdeutlichen und mit Säureblasen zeigen, dass die Matrix, in der die Kristalle stecken, doch recht calcithaltig ist.

Das Gestein, in dem die Quarze stecken, ist dolomitisch mit einem hohen Anteil von Calcium. Bei verdünnter Salzsäure braust das Trägergestein, die Matrix, heftig auf und bildet große Gasblasen.

Bei diesem Cluster sind die Gasblasen kleiner, weil die Quarzkristalle zu dicht gewachsen sind. Der Dolomitstein bietet nur kleine Angriffsflächen für die Säure.