Der Pforzheimer Stinkquarz

Unter all den Steinen, Gesteinen und Mineralien des Museums und der Region Pforzheim-Enzkreis trägt ein Steinchen den Stadtnamen in der Bezeichnung, der "Pforzheimer Stinkquarz". Aus unserer Sicht etwas Besonderes! Aus diesem Grund wird sich hier eine eigene Unterseite entwickeln!

1. Wie sieht ein einzelner Pforzheimer Stinkquarz aus? So:

Dieses 2 cm große Exemplar wurde 2016 bei Bauarbeiten zwischen Wiernsheim und Pinache im Heckengäu gefunden. Trotzdem ist und bleibt es ein Pforzheimer Stinkquarz.

2. Wie muss man sich den Blick auf die Pforzheimer Stinkquarze im Museum vorstellen? So:

Blick in die Vitrine: Einzelquarze, alle als Doppelender, zwei Cluster mit Quarzen, ein Quarz auf seinem gelblichen Muttergestein des Mittleren Muschelkalks.

3. Wie viele Pforzheimer Stinkquarze sind denn nun in der Vitrine? So einzelne? Acht, neun gut gewachsene Exemplare. In den Clustern sind sie zu Dutzenden miteinander und durcheinander gewachsen.

Clusterbildung: Bei dieser Zusammenballung gemeinsam gewachsener Stinkquarze lässt sich die Zahl der Quarze mit "viele" ziemlich genau festlegen.

4. Wie sieht das Exponat aus, wenn der Stinkquarz noch im Muttergestein eingebettet ist? So:

Pforzheimer Stinkquarz, recht groß, gut gewachsen, Doppelender, auf und in seinem Muttergestein, einem Zellendolomit des Mittleren Muschelkalks.

5. Wie sieht das Exponat aus, wenn das Muttergestein kein Zellendolomit ist? So:

Exponat im Museum: Pforzheimer Stinkquarze stecken in einem grauen Mergelstein, der auch im Mittleren Muschelkalk vorkommt.

6. Wie ist das vorige Bild ins Märchen eingebaut? So:

Links: So sieht der Besucher die Pforzheimer Stinkquarze in der Vitrine. Rechts ist es Punkt Mitternacht: Die Quarze werden lebendig!

Die Pforzheimer Stinkquarze im Märchen erleben unter

Märchen im Museum - Kapitel 19 - 32

7. Wie lassen sich die Pforzheimer Stinkquarze beschreiben? So:

Für die Schriftart wählten wir bewusst nicht Arial, sondern Antiquariat.

Eine Ausstellung muss in sich stimmig sein. Aus diesem Grund wurde eine Schrift gewählt, die in die Entstehungszeit der Stinkquarze zurückreicht. Das sind wir den Exponaten schuldig! 

8. Wie sieht der unspektakuläre Fund aus, die Massenware vom Acker, sozusagen? 

9. Wie wertvoll ist in dieser Masse der einzelne Quarz? So etwa 1 Euro pro Quarz bei uns im Museumsshop. 

10. Unter den Stinkquarzen liegt ein Münzwert von 1 €. Auf der Münze liegt ein Stinkquarzwert von 4 €. So, so!

11. Im folgenden Bild verrät sich das weiche mergelige Gestein von Wiernsheim-Pinache als Muttergestein des Stinkquarzes durch eingebettete Quarze (rotweiße Pfeile) oder durch die kantenscharfen Löcher, in denen die Quarze steckten (weiße Pfeile). So oder so!

12. Der weiß eingerahmte Stinkquarz im folgenden Bild macht einen wohlgebildeten Eindruck. Doch die Unterseite, rechts im Bild, zeigt sich in Trümmern, die wieder verheilt sind. Der Kristall war Druck ausgesetzt und zerbrach. Kieselsäure verheilte die Trümmer. Die Kristallform blieb erhalten. So konnte er als verheilter Kristall in Wiernsheim-Pinache gefunden werden.

13. Wie könnte eine Karte aussehen, welche die Fundorte des Pforzheimer Stinkquarzes zeigt? Etwa so:

1. Schwarze Punkte auf rotem Feld: Hier wurden Stinkquarze gefunden.

2. Die Fundorte liegen 5-15 km von Pforzheim entfernt. Zur Autobahn hin konnte auch das Stadtgebiet von Pforzheim liefern.

3. Der Stinkquarz gehört in die Gesteine des Mittleren Muschelkalks. Sie verwittern zu einem guten Ackerboden. Deshalb liegen keine Fundstellen im Wald.

4. Die klassischen Fundstellen der Literatur sind der Sedansberg bei Ellmendingen, die Weinberge von Dietlingen, die Ackerflächen an der Wiernsheimer Straße in Wurmberg und am Klinikum in Öschelbronn und das Dammfeld in Birkenfeld.

5. Lohnt es sich heute noch, dort zu suchen? Nein! Die Stellen sind abgesucht und heute oft unter einem weitflächigen Wiesengelände oder unter Gewerbegebieten verschwunden. Der Ackerbau mit der Ackerfurche und dem frisch hochgepflügten Stinkquarz schwindet. Aber bei uns im Museum liegen noch genügend Stinkquarze. So bietet sich doch noch eine Möglichkeit der Begegnung mit dem Edelstein von Pforzheim!

Der Pforzheimer Stinkquarz

als Mineral:

 

Chemie

Mohshärte

Dichte

Größe

Glanz

Fremdstoffe

Kristallform

Kristallsystem

Strichfarbe

 

und so weiter

14. Wie ähnlich sind sich Stinkquarz und Bergkristall? So ein bisschen schon! Der Pforzheimer Stinkquarz gehört wie der Bergkristall zur Gruppe der Quarze. Während der Bergkristall meterlang-riesengroß werden kann, bleibt der Pforzheimer Stinkquarz mit 2-4 cm Länge bescheiden klein. Beide sind sie chemisch gesehen ein Siliziumdioxid - SiO2; sie bestehen und entstehen aus Kieselsäure. Die Mohshärte ist 7, die Dichte 2,65, das Kristallsystem trigonal. Der Bergkristall enthält wenige Fremdstoff und glänzt daher eher wie Fensterglas. Der Stinkquarz enthält viele Fremdstoffe, die seinen Glanz in Richtung Mohrenkopfglasur bestimmen. So zeigt er eben nur Fettglanz statt Glasglanz.

15. Was steckt alles drin im Stinkquarz? So manches! Auf dem folgenden Foto sind die Stinkquarze in ein ziemlich weiches Gestein eingebettet. Dieses Gestein stammt aus dem Mittleren Muschelkalk. Die Gesteinsmasse ist sehr uneinheitlich zusammengesetzt. Als die Kieselsäure kristalliserte, wurde die Uneinheitlichkeit der Umgebung in den Kristall aufgenommen. So enthalten die Stinkquarze Kalkspat, Tonteilchen, Eisenverbindungen, Anhydrit und Dolomit. Außerdem sind sie mit Bitumen, mit einer erdölartigen Substanz, durchtränkt. Diese "Verunreinigungen" im Kristall machen den Stinkquarz dunkel und undurchsichtig. Über einer Lichtquelle wird er nur im dünnen Bereich aneinander grenzender Prismenflächen leicht durchscheinend. So ist das.

16. Wie sieht der Stinkquarzkristall aus? Im Normalfall so: Wie der Bergkristall ist der Stinkquarzkristall meistens ein Prisma, ein Körper mit sechs ebenen Flächen. Die Flächen finden ihren Abschluss in einer Pyramide mit sechs Flächen oder als "Doppelender" mit zwei Pyramiden, eine rechts und eine links  am jeweiligen Ende des Prismas. So in etwa.

Noch einmal der "Pforzheimer Edelstein", um die Größe, den Glanz, die Farbe und die Prismenflächen des Kristalls zu zeigen

17. Hat dieser braune Stinkquarz eine braune Strichfarbe? So könnte man denken. Im folgenden Bild liegen die hellen Bergkristalle und die dunklen Stinkquarze auf einer weißen Porzellantafel. (Die Büroklammer dient dem Größenvergleich). Zieht man nun mit einer Pyramidenspitze kräftig über die Porzellantafel, dann hinterlassen beide einen weißen Strich. Obwohl der Stinkquarz sehr dunkel ist, ist seine Strichfarbe als Quarz die Farbe Weiß. So klar und eindeutig ist das.

Links mehrere ineinander verwachsene Bergkristalle, rechts fünf Pforzheimer Stinkquarze als Doppelender auf einer Porzellantafel, um die Strichfarbe auszuprobieren

18. Stinkt der Stinkquarz, wenn ich ihn in der Hand halte und an ihm rieche? Nein! So einfach ereignet sich das Stinken nicht!

Normalerweise geht von einem Stein kein Geruch aus, es sei denn, er enthält Bitumen. Die ölartigen Substanzen, die ihren Ursprung in totem Plankton und Faulschlamm am Meeresboden haben, werden bei Druck und Hitze frei. Sie wirbeln als winzige Moleküle durch die Luft und gelangen beim Einatmen in die Nase. So reagiert dann auch der Stinkquarz: Über einer Flamme erhitzt, riecht er brenzlig. Winzige uralte organische Reste verbrennen. Das Feuer unterm Hintern stinkt den Molekülen! So könnte man auch sagen.

19. Was geschieht, wenn nicht Hitze, sondern Druck auf die ölartigen Substanzen einwirkt? So etwas, wie in der Dose oben!

Im Mittleren Muschelkalk ist nicht nur der Stinkquarz bituminös, sondern auch hin und wieder das Gestein. Es gibt hier tatsächlich Kalksteine, die stinken, wenn sie unter Druck geraten. Im Freien geht das mit einem Hammerschlag. Im Wohnzimmer nimmt man die Dose. In der Dose "drücken" sich die Kalksteinchen "liebevoll", wenn sie beim Schütteln aufeinander knallen. Beim Aufprall werden Moleküle weggerissen, hochgewirbelt und der Nase zugeführt, sobald man den Deckel hebt. Diese Moleküle riechen aber nicht brenzlig, sondern stinkbombenmäßig. So riechen eben Schwefelwasserstoffverbin-dungen aus einem Faulschlamm.

 

Statt Kalksteinchen, ein Dutzend Stinkquarze in der Dose? Geruch ist da, aber nicht so üppig und überzeugend! Mit dem Hammer Stinkquarze zertrümmern und schnuppern? So etwas ist möglich, erfolgversprechend und seelenwehtuend:

Auf dem grauen Steinboden liegt ein Bogen blaues Papier, blau, damit die Stinkquarze besser zu sehen sind. Auf dem Papier liegt eine transparente Plastiktüte, in der ein paar Stinkquarze sind. Ein Hammer liegt bereit.

Mit dem Hammer werden die Stinkquarze zerschlagen. Der Schlag und Druck setzt Moleküle frei, auch einige im Kristall eingeschlossene Schwefelwasser-stoffverbindungen. Sie können nicht gleich entweichen, weil die Plastiktüte sie kurz gefangen hält. Schnell steckt man die Nase ins offene Ende der Plastiktüte. Es riecht nach faulen Eiern - Stinkbombengeruch. So erweist sich der Stinkquarz als Stinkquarz.

Ist das Osterei alt genug, dann produziert ein Hammerschlag auch den Duft nach faulen Eiern.

STINKQUARZ  +  HITZE    =  brenzlicher Geruch

STINKQUARZ  +  DRUCK  =  Geruch nach faulen Eiern

20. Was zeigt die folgende Abbildung?

Fundort: Wiernsheim-Pinache, Finder: Ben van den Berg, Mineralienmuseum Pforzheim. Mit einem Klick auf die Abbildung lassen sich Bild und Text vergrößern!

21. Warum gibt es den Pforzheimer Stinkquarz nicht in allen Schichten des Muschelkalks?

 

Das Muschelkalkmeer war ein flaches Meer, das nur rund acht Millionen Jahre lang existierte. In den mittleren Jahrmillionen war es vom großen Weltmeer (Tethys) fast getrennt. Auf dieses Binnenmeer schien eine tropische Sonne. Es verdunstete mehr Wasser als Frischwasser nachfließen konnte. Viele im Wasser gelösten Stoffe wurden ausgefällt und bodenschlammig-fest: Dolomit- und Calcitverbindungen, Gips und Steinsalz. Das Meerwasser wurde durch diese Verdunstungsvorgänge alkalischer. Die ebenfalls im Wasser gelöste Kieselsäure konnte sich anreichern. Das Wasser wurde verhältnismäßig kieselsäurereich.

Unterer Mittlerer Muschelkalk: Es gibt als Fossilien Muscheln (M). Es gibt bituminöse dunkle Kalksteine und ebenplattige Dolomitsteine.

Weitere Informationen zum Bild und zu den Gesteinen im Mittleren Muschelkalk gibt es unter Steine aus dem Mittleren Muschelkalk

Erdbewegungen beendeten dann die Fast-Trennung vom Weltmeer.  Frischwasser strömte über breitere Verbindungen vom Weltmeer ins Muschelkalkmeer. Das Frischwasser veränderte den pH-Wert. Die gelöste Kieselsäure war plötzlich gezwungen in großen Mengen und in kurzer Zeit zu einer festen Substanz zu werden, zu Opal, zu Chalcedon, zu Quarz. Dieser Ausfällungsvorgang dauerte nicht lange. Der Kieselsäurenachschub für den Quarz hörte, in geologischen Zeiträumen gedacht, bald wieder auf. (Zunehmender Starkregen kann übrigens auch Frischwasser bringen!)

 

Daraus folgt, dass die Gesteinsschichten des oberen Mittleren Muschelkalks besonders viel Quarz enthalten. Da gibt es tatsächlich stark verquarztes Dolomitgestein, Chalcedonknollen und Hornsteine mit millimeterkleinen Quarzkriställchen, es gibt den quarzreichen Tripel und den Stinkquarz. Bei ihm reichte es sogar für zentimetergroße Kristalle,  denn kurzzeitig stand viel Substanz zur Verfügung.

Die Abschnürung vom Weltmeer wiederholte sich nicht, so dass der Pforzheimer Stinkquarz nur in den oberen Schichten des Mittleren Muschelkalks zu finden ist.

Oberer Mittlerer Muschelkalk: Zellendolomit und Hornsteine finden sich auf jedem Acker in diesem Horizont. Allüberall gibt es Quarzspuren: im Stinkquarz, im Tripel, auf Hornsteinen. Und es gibt winzige Fossilien (F).

Mehr Infomation zum Bild und zu den Gesteinen im Mittleren Muschelkalk gibt es unter Steine aus dem Mittleren Muschelkalk