Fossiler Muschelkalk (5): die Terebratel

Fossiler Pop - echte Terebrateln auf einem Stück Muschelkalk, bemalt und verfremdet!

Fundort der Terebrateln: Kämpfelbach-Ersingen, Sommerhälde, Wanderweg nach Ispringen

Die Schnecke, die Muschel und der Ceratit als Kopffüßer gehören zum Tierstamm der Weichtiere. Die Terebratel dagegen gehört zum Tierstamm der Brachiopoden oder Armfüßer. Zwar sehen sich Terebratel und Muschel ähnlich, aber sie sind nicht miteinander verwandt. Auch wenn beide ihren Körper mit einer zweiklappigen Schale schützen, ist mit

harte Schale, weicher Kern

alles Gemeinsame und Verbindende gesagt. Mehr ist nicht! Die Terebratel ist wirklich und ehrlich keine Muschel!

Dafür ist sie irgendwie weiblich und männlich zugleich. Denn die Terebratel ist ein Brachiopode, ein Arm+Füßer. Wer etwas mit "Brachialgewalt" erledigt, tut es mit der Gewalt des Armes, während der Fuß in Wörtern wie "Podest" oder "Pedal" steckt.

Skizze einer lebenden Terebratel des Muschelkalkmeeres. Mit dem Stiel festgewachsen auf einem Riff, am Meeresboden...
Fundort: Mönsheim, Waldweg am Sendermast, Trochitenkalk-Formation

Die Terebratel hat eine rundliche Form. Die Schale ist glatt und besteht aus zwei Klappen. Die beiden Klappen sind unterschiedlich groß und haben unterschiedliche Namen. Die größere Klappe ist die Stielklappe. Sie hat ein Loch. Beim lebenden Tier kam aus dem Loch ein fleischig-muskulöser Stiel, mit dem das Tier auf einem Riff oder am Meeresboden festgewachsen war. Der Stiel war beweglich. Das unterscheidende Merkmal bei der Armklappe ist von außen nicht sichtbar. Im Innern ist an der Armschale ein Organ befestigt, das für die Nahrungsaufnahme und für die Atmung zuständig ist.

Fundort: Lesesteine zwischen Lattenwald und Igelsbach-Parkplatz, Pforzheim-Eutingen/ Niefern-Vorort

Die Terebratel ist mit ihrer Stielklappe noch im Muschelkalk eingebettet. Das sich vorwölbende Stiellochende der Schale ist deutlich zu sehen. Auch lässt sich erahnen, wie dick die Schale des Tieres war. Die kleinere Armklappe fehlt. Das folgende Bild zeigt, dass diese Terebratel nicht einsam und allein im Steine steckt.

Es ist gar nicht so selten, dass man einen Muschelkalkbrocken entdeckt, auf dem mehrere Terebrateln zu sehen sind. In einzelnen Muschelkalkschichten treten sie so gehäuft auf, dass man von einer Terebratelbank spricht. Es gibt dann in einer Schicht so viele Terebrateln, dass sie gesteinsbildend sind.  Diese Bänke helfen mit, die Schichten des Muschelkalks zu ordnen. So gibt es bei den Schichtbezeichnungen eine "Obere Terebratelbank"  und eine "Untere Terebratelbank", eine "Hauptterebratelbank", ein "Region der Terebratelbänke" oder die "Bank der kleinen Terebrateln".-

Im vorhergehenden Bild ist an jedem weißen Punkt eine Terebratel im Muschelkalkstück eingebettet. So viele würde man auf den esten Blick nicht vermuten.

Nicht jede der sechs Terebrateln zeigt das Stielloch. Ohne Stielloch wird es schwierig, die Terebratel zu erkennen. Die runde Form und eine glatte Schale im rauen Stein helfen weiter! Fundorte: Wurmberg, Hang oberhalb der Wiersheimer Straße, Hang oberhalb Igelsbach-Parkplatz, PF-Eutingen.

Fundort von Walderdbeere und Terebratelstein: Hang oberhalb des Igelsbach-Parkplatzes, Eutingen/Niefern-Vorort

Das Erdbeerfoto zeigt ein paar Trochitenkalkstücke mit Terebrateln: An jeder Erdbeere lässt sich eine Terebratel oder ihr Abdruck erkennen bis erahnen. Die grüne Erdbeere liegt in einer runden glatten Kuhle, aus der eine Terebratel herausgebrochen ist.

"Coenothyris vulgaris". Fundort: Ortsausgang Wurmberg, Hang oberhalb der Straße nach Wiernsheim

Die Terebratel ist keine Muschel. Trotzdem wird sie gelegentlich in alten Schriften mit "Lochmuschel" bezeichnet oder mit "Lampenmuschel", weil das Fossil an eine alte Öllampe erinnert. Die Münze dient dem Vergleich. Wie groß ist denn so eine Terebratel?  Ihr wissenschaftlicher Name ist "Coenothyris vulgaris".

Wohlgeordnet liegen fünf Terebrateln da. Sie sind leicht zu erkennen.

Wohlgeordnet liegen sieben Terebrateln da. Sie sind leichter zu erkennen, weil ein Tintenstift die Umrisse nachzeichnet.