Fossiler Muschelkalk (4): der Ceratit

Fossiler Pop - ein Ceratit auf einem Stück Muschelkalk aus der Meißner-Formation, dem oberen Oberen Muschelkalk, in Wiernsheim-Serres am Ackerrain aufgelesen, bemalt und verfremdet!

Der Ceratit ist das wichtigste und auch beeindruckendste Fossil des Muschelkalks. Der Ceratit ist ein Kopffüßer, der im frühen Erdmittelalter lebte und mit den später lebenden Ammoniten der Jurazeit eng verwandt ist. Man kann sagen, dass die Ceratiten die unmittelbaren Vorläufer der Ammoniten sind.

Der Ceratit hatte ein Gehäuse mit einer Wohnkammer und vielen Gaskammern. Er wird wohl einen Kopf mit Fangarmen gehabt haben. Ähnlich gebaute Tiere, die heute noch leben, legen das nahe. Wie das Tier aber genau aussah, weiß am nicht. Es gibt bis jetzt keine versteinerten Funde der Weichteile.- Das Fundstück zeigt nicht das Äußere des Gehäuses, sondern das Innere, den zu Stein gewordenen Gehäusekern = den Steinkern.-

Entlang der feinen Linien lagen die Kammerscheidewände. Der linienfreie Anfang des Gehäuses ist der Bereich der Wohnkammer. Das Tier bewohnte nur einen Teil seines Gehäuses. Die Wohnkammer war mit den Gaskammern durch einen Gefäßeschlauch verbunden.

Fossiler Pop mit dem  folgenden Ceratiten-Stück. Gemalt wurde entlang der Lobenlinien, die undeutlich zu sehen sind.

Liegen Ackerflächen im oberen Oberen Muschelkalk, dann sind Fundstücke von Ceratiten am Ackerrand gar nicht so selten. Die beste Zeit für eine Suche ist im tiefen Winter, an schneelosen Tagen. Die gibt es häufig! Die schneefreien ungepflügten Äcker zeigen sich meistens sehr steinig und geizen nicht mit Ceratiten-Spuren. Der obere Obere Muschelkalk wird deshalb nicht nur mit Meißner-Formation bezeichnet, sondern auch mit Ceratitenschichten. Zugegeben - dieser vom Pflug angeschlagene Ceratit ist nicht weltbewegend. Aber es ist der typische Fund! Das gilt auch für die folgenden Bilder:

Ceratit mit drei kräftigen Einzelrippen und Knoten auf dem Gehäuserand. Fundort: Ackerflächen östlich von Ispringen.
Ceratitenfunde auf Äckern östlich von Ispringen "Teufelsgrund", Ackerflächen bei Pforzheim-Obsthof "Bügel", Ackerflächen zwischen Enzberg und Kieselbronn "Römische Baureste" und "Schneid"

Die drei Ceratiten-Bruchstücke haben schon einen Pflug erlebt. Aber sie sind noch identifizierbar. Die gleichmäßige Rundung verrät die Steine als Fossilreste. Der Stein mit Pfeil zeigt zusätzlich die geschwungen verlaufenden Lobenlinien (Suturlinien). Sie sind auf dem folgenden Foto mit Bleistift schwarz hervorgehoben.

Am Verlauf der geschwungenen Lobenlinien lässt sich auch ein Muschelkalk-Ceratit erkennen. Bei (1) ist der Bogen ungestört gerundet, bei (2) ist der Gegenbogen etwas flacher und fein gezackt.

Der Ceratit hatte als Kopffüßer ein gekammertes Gehäuse mit einer Wohnkammer am Anfang und vielen Luftkammern. Die Kammern wurden durch Wände getrennt, die mit der Gehäusewand verwachsen waren. Die Lobenlinie zeigt die Verwachsungsnaht zwischen Gehäusewand und Kammerscheidewand.

(Lösung zu den Fotos ganz am Ende: Es sind zwei verschiedene Ceratiten, das gleiche Fossil, aber nicht dasselbe.)

Die Lobenlinie ist wellig, gekrümmt, gebogen. Die Bögen zur Wohnkammer hin sind die Sättel in der Linie, die Bögen in der Gegenrichtung sind die Loben. Die ceratitischen Lobenlinien haben ungestört durchlaufende Sättel und gestört durchlaufende Loben. Die Loben sind gezahnt, zerschlitzt, gespalten. Der Sattel ist in der Linienführung ganz, beim Lobus ist die Linienführung kaputt.

Ruhige Linienführung bei den Sätteln, unruhig bei den Loben. Zur Wohnkammer hin liegen die Lobenlinien dicht beieinander - eine Lobendrängung ist zu beobachten.

Genau unter die Lupe genommen, ist die Lobenlinie ein kleiner Graben, der zwei Seiten hat.  Die Lobenlinie bleibt bei den Sätteln (S) und bei den Loben (L)  auf der Grabenseite ungestört, die zur Wohnkammer hin liegt. Die Wohnkammer ist im Bild rechts. Im Bereich der Loben (L) ist nur die Grabenseite gezahnt, die von der Wohnkammer weiter entfernt liegt. Die Zahnspitzen zeigen in Bezug auf die Wohnkammer in die entgegengesetzte Richtung.

Zwei Ceratiten und zwei Bilder? Ein Ceratit und zwei Bilder? Zweimal das gleiche Fossil oder zweimal dasselbe Fossil? (Lösung vor den vielen grünen Lobenlinien weiter oben.)