Fossiler Muschelkalk (2): die Muschel

Fossiler Pop - eine echte Muschel auf einem Stück Muschelkalk, bemalt und verfremdet!

Urlaub am Meer....Spaziergang am Strand....Muscheln im Sand.... Im folgenden Bild stammen die Muscheln von einem Strand am Mittelmeer, links die unversehrten Muschelschalen nach dem Aufsammeln mit der Hand, rechts Muschelschill oder Muschelschalentrümmer nach einer Berührung mit dem Hammer.- Muscheln gibt es heute  im Mittelmeer, und vor 230 Mio. Jahren gab es sie im Muschelkalkmeer. Damals wahrscheinlich besonders viele, denn ihre fossilen Spuren finden wir reichlich im Unteren und im Oberen Muschelkalk, im Mittleren Muschelkalk auch, aber doch deutlich weniger. In seinen mittleren Jahren war das Muschelkalkmeer lebensfeindlich.

Die Muscheln aus dem Muschelkalkmeer können wie im Folgebild auf dem Kalkstein sitzen:

Fundort: Wegrand am Muschelkalksteinbruch zwischen B10 und Enzberg-Sengach bei Mühlacker

Die versteinerten Muscheln können aber auch als vollständig erhaltene Einzelexemplare auf einem Acker liegen:

Fundort: Heumahd bei Keltern-Niebelsbach; Hartheimer Kopf, Altes Öschelbronner Sträßle

Die Muscheln können im Kalkstein eingebettet sein:

Fundort: Wegrand beim Steinbruchgelände zwischen B10 und Enzberg-Sengach bei Mühlacker

Sie können dicht an dicht - wie gepflastert - auf einer Kalksteinplatte zu sehen sein, wie bei dem folgenden Muschelpflaster:

Fundort: Nördlich des Dammfelds bei Birkenfeld, auf der Grenze zwischen Baden und Württemberg

Mit einer vergrößernden Aufnahme des Muschelpflasters

Fundort: Hohberg bei Pforzheim, die Muschel ist häufig, ihr Name ist " Hoernesia socialis".
Fundort: Ackerfläche auf der Heumahd von Keltern-Niebelsbach im Wurstelmergel des Unteren Muschelkalks. Zwei Muscheln liegen unmittelbar rechts der Blüte.
Flache Dolomitsteinplatte mit der Muschel "Neoschizodus orbicularis" aus der untersten Schicht des Mittleren Muschelkalks. Fundstelle: Eutingen, Unterer Wingertweg, Rennbachtal.

Es gibt Muscheln in den untersten Schichten des Mittleren Muschelkalks.

Fundort der Orbicularisplatte: Hanggelände zwischen Wurmberg und Neubärental
Feilenmuschel (Plagiostoma), Fundort: Niefern-Öschelbronn, Großer Kesselweg, deutlich berippt, rechts doppelklappige Muschel

Es gibt sie faustgroß und stets vollständig ausgewittert im Unteren Muschelkalk, wie die hier gezeigten Feilenmuscheln vom Großen Kesselweg in Niefern.

Weitere Fundstellen für diese großen Muscheln: Birkenfeld, Kreisverkehr Alte Pforzheimer Straße/ Straße nach Kämpfelbach; Heimsheim, Ackerflächen zum Silberberg hin; Dietlingen-Ellmendingen, in den Weinbergen; Ottenhausen, auf dem Fronberg; Ackerflächen östlich der Straße Wurmberg-Wimsheim.

Bemalte Feilenmuschel. Fundort: Ackerflächen zwischen Wurmberg und Wimsheim, dort allerdings noch unbemalt!

Es gibt die faustgroßen Feilenmuscheln gar nicht so selten auf den entsprechenden Äckern, allerdings nie bemalt. Die Ackerflächen liegen im Wellenkalk des Unteren Muschelkalks. Das Gestein ist so auffällig, dass man es nicht übersehen kann. Und es ist häufig. Die Äcker sind mit Steinen übersät. Die großen Muscheln liegen immer vollständig ausgewittert zwischen den hellgrauen Steinen. Die Muscheln sind groß und häufig etwas gelblich im Farbton, so dass der suchende Blick durchaus Glück haben kann. Freilich nicht, wenn das Getreide steht.

Sammelzeit, das ist ganz klar,

ist Dezember-Januar!

Wellenkalkstücke von Wurmberg, Keltern-Dietlingen und Niefern-Öschelbronn
Wellenkalkstück aus Wiernsheim
Fundort des Schillkalks: Pforzheim, Obsthofgelände in Richtung Kieselbronn

Schließlich gibt es auch die kaputten Muscheln. Das Muschelkalkmeer war nicht sehr tief. Gezeitenströmungen, tropische Stürme und heftiger Wellengang zerstörten Muschelschalen zu Schill. Insbesondere im Oberen Muschelkalk/ Hauptmuschelkalk gibt es zahlreiche Schillkalkschichten, auch Schalentrümmerbänke genannt oder Lumachelle. Manche Schalentrümmer haben sich völlig aufgelöst und verraten sich durch längliche, schmale, leicht gebogene Löcher.

Fundort des Schillkalks: Ackerflächen nordwestlich von Iptingen

Im Schillkalk haben sich die Muschelschalentrümmer aufgelöst, und heller Calcit hat in den Schalenräumen auskristallisiert.

Fundort des Schillkalks: Pforzheim, Hohberg

Im Bereich zwischen Kalkstein und Muschelschalentrümmer setzte sich gern fein verteilt Limonit, rostiges Brauneisenerz ab. Der Schillkalk wirkt angerostet. Er ist "eisenschüssig".

Muscheln im Muschelkalk zu finden, das ist nichts Besonderes. Freilich sind die Funde wie im Bild meistens nicht spektakulär. Aber es bieten sich im Raum Pforzheim-Enzkreis viele Chancen, eine Muschel zu finden: winterliche Ackerflächen, Muschelkalkmauern in den Orten, Baugruben und Straßenbau, da eine Böschung im Muschelkalk und dort ein kleiner zugänglicher Steinbruch...